Wien. Weil er durch verschiedene Postings befürchten ließ, einen Amoklauf an seiner Schule zu begehen, musste sich ein 19-Jähriger am Montag am Wiener Straflandesgericht wegen Landzwang und gefährlicher Drohung verantworten. Der Angeklagte hatte an seine Mitschüler zwei auffällige Bilder versandt: Ein Foto zeigte den Klassenvorstand und zwei Schüler mit Kreuzen markiert, eine Schusswaffe war dazugemalt. Das andere Bild war eine Aufnahme des Amokläufers der Columbine Highschool. Überdies hatte der junge Mann im Freundeskreis Gewaltfantasien geäußert.

Die Mitschüler wandten sich an ihren Klassenvorstand, der Stadtschulrat wurde eingeschalten. Als der Angeklagte eines Tages am Vormittag einfach nicht in die Schule kam und einem Mitschüler gegenüber ankündigte, am Nachmittag zu erscheinen, wurde das Gebäude von der Polizei geräumt. Der junge Mann wurde in U-Haft genommen.

Vor Gericht verantwortete sich der 19-Jährige damit, dass alles nur eine Art seltsamer Humor gewesen sei. Im Laufe des Verfahrens las der Richter einige Passagen aus dem Tagebuch des Angeklagten vor. "Heute Amoklauf in Florida, starke Leistung: 17 Bastarde weniger auf der Welt. Wie gerne würde ich das auch machen." Dann fantasierte er davon, in seiner Schule Brände bei den Ausgängen zu legen, damit niemand flüchten kann, um anschließend alle zu erschießen: "Ich bin mir sicher, Hitler hatte auch solche Gedanken", schrieb er. Erklären konnte der Angeklagte diese Äußerungen trotz mehrmaliger Nachfragen nicht.

"Durchaus gefährlich"


Laut dem psychiatrischen Gutachter leidet der Angeklagte unter Depressionen, Narzissmus und einem Waschzwang. "Die Gemeinlage ist durchaus gefährlich", so Peter Hofmann. Allerdings gehe es dem Angeklagten aufgrund einer Psychotherapie und einer medikamentösen Behandlung nun besser. Daher stellte Hofmann eine günstige Prognose. Er empfahl allerdings eine bedingte Einweisung des Angeklagten, damit seine weitere Behandlung sichergestellt wird.

Daraus wurde nichts, da der Richter den Angeklagten freisprach. Der Tatbestand des Landzwangs sei nicht erfüllt worden, es sei nicht die erforderliche Anzahl an Personen in Furcht und Unruhe versetzt worden. Auch der für die gefährliche Drohung erforderte Vorsatz sei nicht gegeben. "Zwei Herzen wohnen in meiner Brust", meinte der Richter. "Ich bin überzeugt, dass der Angeklagte nicht ganz ungefährlich ist, wenn er nicht behandelt wird. Ein Urteil wäre gut, um ihn dazu zu zwingen, aber wenn es das Gesetz nicht hergibt, kann man nichts machen." Der Richter empfahl dem 19-Jährigen dringend, die Psychotherapie fortzusetzen, "sonst sitzen Sie wieder da, aber dann wohl nicht wegen Landzwang oder gefährlicher Drohung". Die Staatsanwältin gab keine Erklärung ab, deshalb ist der Freispruch vorerst nicht rechtskräftig.