Bereits am Mittwoch verkündete Kramp-Karrenbauer deshalb zunächst den Mitarbeitern des Konrad-Adenauer-Hauses und dann am Sonntag dem Bundesvorstand, dass sie ihre Arbeit als Generalsekretärin "absolut auf satzungsgemäße Aufgaben beschränken" werde. Dazu gehörte etwa ein Auftritt bei der CDU Landau bei einer Veranstaltung zum Ehrenamt, bei dem sie am Freitag über ihre Kandidatur ausdrücklich nicht sprechen wollte, aber doch schon mit dem Thema Armutsbekämpfung eine inhaltliche Marke setzte. Sie wolle sauber zwischen beiden Rollen trennen, schon um möglichen Vorwürfen ihrer Kontrahenten vorzubeugen, heißt es. Nicht einmal mehr die CDU-Pressestelle ist für Kramp-Karrenbauer zuständig.

Gesundheitsminister Spahn übrigens nutzte ebenfalls einen Auftritt zu Organspenden am Mittwoch ausdrücklich nicht für ein Statement zum Rennen um den Parteivorsitz. Bevor sie an die Öffentlichkeit geht, wollte Kramp-Karrenbauer zunächst die Erklärung gegenüber dem Bundesvorstand am Sonntag abwarten. Dies ist nun geschehen.

Eine weitere Überlegung für die mediale Zurückhaltung dürfte aber nach Angaben aus CDU-Kreisen auch die Tatsache sein, dass die Bewerbung kein 100-Meter-Lauf, sondern ein Mittelstrecken-Rennen ist. Laut Umfragen hat vor allem Merz zwar ein "Momentum" erzeugt, weil er gerade von konservativen CDU-Anhängern als Hoffnungsträger gefeiert wird. Darunter, so heißt es im CDU-Bundesvorstand, leide vor allem Spahn, weil der um Stimmen aus demselben "Anti-Merkel-Lager" werbe wie Merz.

Formal gesehen könnte Kramp-Karrenbauer übrigens die erste offizielle Kandidatin der CDU sein. Denn als solche gelten Anwerber auf den Posten erst, wenn sie etwa von einem Orts- oder Landesverband vorgeschlagen sind und nicht, wenn sie selbst dies öffentlich erklären. Die Saar-CDU will ihre frühere Vorsitzende am Montag nominieren.

Aus der Defensive heraus wolle Kramp-Karrenbauer aber wohl auch einen eigenen Stil beweisen, weil sie sich gerade nicht treiben lasse, heißt es. Den eigenen Willen hatte sie auch Kanzlerin Merkel übrigens schon bewiesen, als sie als saarländische Ministerpräsidentin gegen den ausdrücklichen Willen der Kanzlerin und Parteichefin die Jamaika-Koalition an der Saar 2012 platzen ließ und die FDP aus der Regierung warf. Damals tobte Merkel, und Kramp-Karrenbauer gewann die folgende Landtagswahl.