Lemberg. Taras Kytsmey ist in Lemberg so etwas wie Bill Gates und Mark Zuckerberg in einem. Er ist Mitbegründer von Softserve, einem der erfolgreichsten Outsourcing-Unternehmen der Ukraine mit mehr als 6500 Mitarbeitern weltweit. Die Firma liegt im Südwesten der 730.000-Einwohner-Stadt, ein dunkler, moderner Glasbau, innen moderne Büroarchitektur irgendwo zwischen steril und hipster. Helle Räume, minimalistische Büromöbel, viel Glas, dazwischen poppige Farben, originelle Sitzmöbel und bunte Teppiche. Solche Büros gibt es im Silicon Valley von Menlo Park, Mountain View bis San José, aber auch von Hamburg bis München und eben von Wien bis Lemberg.

Eine Stakkato-Personenbeschreibung für Kytsmey liest sich so: männlich, 52 Jahre, Schnauzbart, Halbglatze, Softwareingenieur und Businessman, mit Österreich verbindet ihn die Liebe zum Skifahren. Etwas ausführlicher: Seine Doktorarbeit hat Kytsmey an der Lemberger Ivan Franko Nationaluniversität über Fuzzy Datenbanksysteme verfasst, ein Thema, das gar nicht so leicht zu erklären ist. Ein Versuch: Eine Fuzzy Datenbank ist eine, die in der Lage ist, ungewisse oder unvollständige Information zu verarbeiten, und zwar mithilfe von Fuzzy Logic - unscharfer Logik. In so einer Datenbank findet man auch etwas, wenn man gar nicht ganz exakt, sondern nur ungefähr weiß, wonach man sucht.

Taras Kytsmey, einer der Mitbegründer von SoftServe. - © Thomas Seifert
Taras Kytsmey, einer der Mitbegründer von SoftServe. - © Thomas Seifert

Computernerd Taras Kytsmey hat vor der Firmengründung von Softserve an der Polytechnischen Universität in Lemberg gelehrt. 1993 war er Mitbegründer von Softserve. Das Unternehmen wurde zum Nukleus der IT-Industrie in Lemberg, nicht wenige ehemalige Mitarbeiter wurden später selbst zu Entrepreneuren, die eigene Softwareunternehmen gegründet haben.

Spezialisiert auf Outsourcing

Die Lemberger IT-Szene ist vor allem auf Outsourcing spezialisiert. "Die Stadt ist reich an IT-Talenten, aber nicht ganz so reich an IT-Unternehmern", sagt Kytsmey. Daher produzieren die Firmen der Stadt eher Software-Rohmaterial und nicht Fertigprodukte. Softwareprodukte würden von denen entwickelt, die den Markt gut kennen - und diese Märkte liegen eben vorwiegend in den USA und in der Europäischen Union. "Beim Outsourcing-Business geht es darum, sowohl nahe an den Kunden als auch an den Entwicklern zu sein", sagt Kytsmey. Daher hat Softserve Entwicklungszentren in Lemberg, Kiew, Charkow und Dnipropetrowsk. "Nach dem Ausbruch des Konflikts zwischen Russland und der Ukraine haben wir realisiert, dass wir stärker diversifizieren müssen - allein schon, um diesem politischen Risiko entgegenzutreten." Also hat Softserve weitere Zentren in Sofia in Bulgarien und in Wroclaw, Polen eröffnet, die vor allem für die Branchen Gesundheitswesen, Handel, Medien und Fintec - also digitale Finanzdienstleister - Software entwickeln.