Der berühmte Haarkranz ist weg, die Brille soll Seriosität unterstreichen: Julia Timoschenko gibt sich wieder einmal ein neues Image. - © afp/Genya Savilov
Der berühmte Haarkranz ist weg, die Brille soll Seriosität unterstreichen: Julia Timoschenko gibt sich wieder einmal ein neues Image. - © afp/Genya Savilov

Kiew. Julia Timoschenko hatte in ihrer langen politischen Karriere schon mehrere Wandlungen durchgemacht. Begonnen hatte die Ex-Jungkommunistin aus Dnipropetrowsk, dem heutigen Dnipro, in ihren Dreißigern als Femme Fatale der ukrainischen Politik - mit dunklem Haar und kurzem Rock brach sie in die männerbündlerische Phalanx von Politik und Big Business in Kiew ein und machte sich bald als gefürchtete "Gasprinzessin" einen Namen.

Nach der Jahrtausendwende gab sich Timoschenko seriöser, trug züchtigere Kostüme, färbte sich die Haare blond - und machte sich mit dem unverwechselbaren Haarkranz zu einem Symbol der Orangen Revolution des Jahres 2004. Sie versinnbildlichte gewissermaßen die Mischung aus Modernität und bäuerlich-ukrainischer Tradition. Die Marke Timoschenko war international so stark, dass die Inhaftierung der Ex-Premierministerin 2011 das Image des damaligen Präsidenten Wiktor Janukowitsch im Westen nachhaltiger beschädigte als alle Korruptions- und sonstigen Affären unter seiner Ägide. Westliche Beobachter fieberten dem Maidan-Auftritt der Freiheitsikone Timoschenko nach ihrer Entlassung aus der Haft im Februar 2014 eher entgegen als die Demonstranten auf dem Maidan selbst.

Für die Masse der Ukrainer war Timoschenko damals eine Politikerin, die zur soeben überwunden geglaubten Elite gehörte. Bei den Präsidentenwahlen im Mai 2014 erreichte sie knapp 13 Prozent. Es schien, dass sich die Politkarriere der ehrgeizigen Timoschenko ihrem Ende näherte.

Doch der Schein trog. Die bald 58-jährige politische Stehauf-Frau setzt erneut zu ihrem x-ten politischen Frühling an. Ohne Haarkranz, mit Pferdeschwanz und Brille präsentiert sich die begnadete Populistin nunmehr als betont seriöse Modernisiererin. Im August stellte sie ihr Verfassungsprojekt vor, im September ein Wirtschaftskonzept, das 400 Seiten umfasst. Und bis Ende des Jahres soll auch noch ein Friedensplan für den Donbass folgen.

Zu den Präsentationen ihrer Konzepte lädt Timoschenko auch politische Gegner ein. "Sie versuchte zumindest im Frühsommer, eine ganz andere Wählerklientel zu erreichen - die Jungen und die Intellektuellen in den großen Städten", analysiert der ukrainische Polit-Publizist Juri Durkot. "Dort hatte sie bisher immer Schwierigkeiten. Ihre Stammwählerschaft befindet sich eher in den ländlichen Gegenden und in kleinen Städten", sagte Durkot der "Wiener Zeitung". Mit der Öffnung in Richtung der größeren Städte möchte sich Timoschenko am 31. März 2019, dem Tag der ukrainischen Präsidentenwahl, Platz eins sichern.