Podgorica/Budapest. Der in seiner Heimat verurteilte ehemalige mazedonische Regierungschef Nikola Gruevski nahm bei seiner Flucht nach Ungarn offenbar die Hilfe hochrangiger Diplomaten des Landes in Anspruch. Wie die montenegrinischen Zeitung "Vijesti" (Online) am Freitag berichtete, begleiteten ihn der Gesandte und der Konsul der ungarischen Botschaft in Podgorica (Montenegro) am Sonntag beim Überqueren der Grenze.



Er habe die montenegrinisch-serbische Grenze in einem Fahrzeug mit Diplomaten-Kennzeichen, berichtete die Zeitung unter Berufung auf Polizeiquellen. Wie aus unterschiedlichen Quellen hervorgeht, floh der rechtsnationale Politiker zunächst nach Albanien und dann über Montenegro und Serbien nach Ungarn.

Die albanische Polizei hatte bekannt gegeben, dass Gruevski am Sonntag in einem Fahrzeug der ungarischen Botschaft in Tirana die albanisch-montenegrinische Grenze überquert hat. Das montenegrinische Innenministerium hatte bestätigt, dass Gruevski an jenem Tag durch Montenegro gereist ist, ohne weitere Einzelheiten zu nennen.

Gruevski, der von 2006 bis 2016 zunehmend autoritär in Mazedonien regiert hatte, wurde wegen Korruption rechtskräftig zu einer zweijährigen Gefängnisstrafe verurteilt. Spätestens zu Beginn dieser Woche hätte er die Haft antreten müssen. Weitere Strafverfahren wegen schweren Amtsmissbrauchs sind gegen den 48-Jährigen anhängig. Mit dem rechts-konservativen ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban verbindet ihn eine langjährige Freundschaft.