München. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder dürfte der künftige CSU-Vorsitzende werden: Söder kündigte am Sonntag an, sich um die Nachfolge von Horst Seehofer zu bewerben. "Nach reiflicher Überlegung und dem Wunsch vieler Mitglieder entsprechend bin ich bereit, mich in den Dienst der Partei zu stellen. Deshalb bewerbe ich mich um das Amt des Parteivorsitzenden der CSU", sagt der 51-Jährige in München.

73 Jahre nach ihrer Gründung stehen in der CSU damit nicht nur personell alle Zeichen auf den Beginn einer neuen Ära.

Der in der CSU stark in die Kritik geratene Seehofer will sein Amt bei einem Sonderparteitag am 19. Jänner zur Verfügung stellen. Einen anderen Bewerber als Söder für den Parteivorsitz gibt es bisher nicht. CSU-Vizechef Manfred Weber stellte am Wochenende klar, dass er sich nicht um das Amt bewirbt.

Der Europapolitiker begründete dies mit seiner Spitzenkandidatur für das konservative Parteienbündnis EVP bei der Europawahl im kommenden Jahr: "Darauf werde ich meine ganze Kraft konzentrieren und stehe deshalb im Moment nicht als Parteivorsitzender zur Verfügung", sagte Weber der "Bild am Sonntag".

Söder war bereits Seehofers Nachfolger im Amt des bayerischen Ministerpräsidenten. "Gemeinsam mit der Basis und den Mandatsträgern wollen wir im Team die CSU weiterentwickeln und erneuern", erklärte der Ministerpräsident am Sonntag schriftlich. "Große Herausforderungen liegen vor uns. Wir können es nur gemeinsam." Am Montag will Söder in München vor die Presse treten.

In der CSU gibt es schon lange ein Lager, welches sich Söder in der Rolle von Parteichef und Ministerpräsident wünscht. Zu den "Söderianern" gehört etwa dessen politischer Ziehvater Edmund Stoiber. Doch lange wollte Söder nicht Parteichef werden. Schon vor einem guten Jahr, zum Höhepunkt der damaligen Krise nach der desaströsen Bundestagswahl wurden die Stimmen in der CSU laut.

Auch Seehofer selbst hat Söder damals den Posten angeboten. Doch er lehnte erneut ab, Seehofer hatte den Chefsessel Söder auch schon vor der Bundestagswahl angeboten, als der heute 69-Jährige öffentlich eine Debatte lostrat, dass der CSU-Chef unbedingt im Bund am Kabinettstisch sitzen solle. Doch auch dieses Offert, für viele in der Partei ein "vergiftetes Angebot", nahm Söder nicht an. Stattdessen betonte er, sein Platz sei in Bayern, am Berliner Politikalltag habe er kein Interesse. Damals sahen viele Söder politisch kaltgestellt, ausgetrickst vom alten Hasen Seehofer.