Das würde alle Zollprobleme und auch die Nordirland-Frage lösen. Manch ein Labour-Politiker macht freilich Einwände gegen weitere Personen-Freizügigkeit oder gegen andere Bestimmungen des Binnenmarkts geltend. Einig werden müssten sich die Oppositionsparteien also erst einmal, wenn sie einen "sanften" Brexit verlangen, über eine für alle akzeptable Version.

Als Alternative, meint Nicola Sturgeon, biete sich eine neue Volksbefragung an - auch damit habe sie keine Probleme. Diesem Gedanken scheinen immer mehr Abgeordnete aller Lager zuzuneigen. Selbst manche Minister halten so etwas, im Gegensatz zu May, jetzt nicht mehr für ausgeschlossen. Ein Dutzend Tory-Hinterbänkler setzt sich sogar nachdrücklich dafür ein.

Die Labour-Führung zögert, hat ein neues Referendum aber nicht ausgeschlossen. Manuel Cortes, der Chef der Transportarbeiter-Gewerkschaft, hat Labour gestern empfohlen, einen Sonderparteitag einzuberufen, um einen "Plan B" abzustimmen in der Partei.

Noch weiß freilich niemand zu sagen, ob es nun umgekehrt für diese oder für die Idee eines "sanften Brexit" im Unterhaus eine Mehrheit gäbe. Prozedurale Hindernisse aller Art türmen sich auf. Erst jetzt erwachen Oppositionspolitiker zu all den Fragen, die sich im Falle eines Scheiterns von "Plan A" stellen würden - und zur Frage, ob tatsächlich ein Bündnis für einen "Plan B" zustande kommt.

Während in London die Ungewissheit groß ist, gab es ein Treffen zwischen Bundeskanzler Sebastian Kurz und Theresa May in Downing Street 10. Kurz wolle May als Kanzler des EU-Vorsitzlandes "den Rücken stärken", hieß es.

EU und Großbritannien wollen "ehrgeizige" Partnerschaft

Mittlerweile haben sich die EU und London zumindest auf eine politische Erklärung zu den zukünftigen Beziehungen geeinigt. Beide Partner streben nach dem Brexit eine "tiefe" und "ehrgeizige" Partnerschaft an und wollen ein "Freihandelsgebiet" ohne Zölle, Abgaben und mengenmäßige Beschränkungen schaffen.

Wie aus spanischen Diplomatenkreisen verlautete, wird Madrid der Erklärung wegen des Streits um Gibraltar nicht zustimmen. Ein Kommissionssprecher hatte schon zuvor zugeben müssen, dass die Frage des Status der britischen Kronkolonie auf der iberischen Halbinsel ungelöst sei. Der spanische Premier Pedro Sanchez hat direkte Verhandlungen zwischen Spanien und Großbritannien über die Zukunft des britischen Überseegebiets verlangt. Spanien stößt sich auch daran, dass Gibraltar in dem Austrittsvertrag als UK-Territorium festgeschrieben wird. In der Frage könnte es jedenfalls zu einem trilateralen Treffen vor dem Brexit-Gipfel zwischen May, dem spanischen Premier Pedro Sanchez und Juncker kommen.

Laut Entwurf wollen die EU und die Briten künftig "eine ambitionierte und weitreichende wirtschaftliche Partnerschaft" entwickeln. Die Übergangsperiode nach dem Brexit soll um ein bis zwei Jahre verlängert werden können. Während dieser Zeit muss Großbritannien ins EU-Budget einzahlen, heißt es.