Paris. Die Novelle ist nicht "nur symbolisch". Denn wie Frankreichs Gesundheitsministerin Agnes Buzyn betonte, ist unter den Richtern des Landes nach wie vor die Ansicht weit verbreitet, dass es für Eltern ein "Recht auf eine Tracht Prügel" gebe. Damit soll nun endlich Schluss sein, körperliche Züchtigung von Kindern durch ihre Eltern wird in Frankreich künftig verboten sein. So hat die Pariser Nationalversammlung in der Nacht auf Freitag in erster Lesung für einen Gesetzesvorschlag gestimmt. Damit werden mit mehrjähriger Verspätung europäische Vorgaben umgesetzt.

In das Bürgerliche Gesetzbuch Frankreichs soll dem Vorschlag zufolge ein Satz aufgenommen werden, der vom Standesbeamten bei Hochzeiten vorgelesen wird. Danach soll die "Autorität der Eltern ohne physische oder psychische Gewalt ausgeübt werden". Nach Angaben der Regierung sind damit künftig auch der Klaps auf den Hintern oder Ohrfeigen tabu.


Link-Tipps
Libération: L'Assemblée vote largement l'interdiction de la fessée
wienerzeitung.at ist nicht verantwortlich für die Inhalte externer Internetseiten.

"Man erzieht nicht durch Furcht"

"Man erzieht nicht durch Furcht", sagte Gesundheitsministerin Buzyn in der Debatte zum Verbot der sogenannten erzieherischen Gewalt. Elterliche Gewalt habe "katastrophale Auswirkungen auf die Entwicklung des Kindes".

Für den Gesetzentwurf, der auch von Teilen der Opposition unterstützt wird, stimmten 51 Parlamentarier, es gab eine Gegenstimme und drei Enthaltungen. Konservative und Rechtspopulisten beklagen eine unzulässige "Einmischung" in das Familienleben. Eltern würden für dumm verkauft, hieß es. Der Entwurf geht nun in den von Konservativen dominierten Senat, das letzte Wort hat aber die Nationalversammlung.

Der Europarat hatte Frankreich 2015 ermahnt, die Europäische Sozialcharta umzusetzen, die von den Mitgliedstaaten ein Verbot jeder Gewalt gegen Kinder verlangt. Ein erstes Gesetz wurde im Jänner 2017 wegen formaler Mängel vom Verfassungsrat gekippt. Sanktionen gegen gewalttätige Eltern sieht der französische Gesetzentwurf nicht vor.