Kommt es auch dann nicht zu einer Einigung, tritt der "Backstop" in Kraft: Das Königreich bleibt zunächst in der Zollunion - eine harte Grenze zwischen Nordirland und der Republik Irland wird verhindert.

Der Scheidungsvertrag sieht außerdem vor, die Rechte der rund 3,5 Millionen EU-Bürger in Großbritannien zu bewahren. Das gilt auch für alle, die in der fast zweijährigen Übergangsphase nach Großbritannien kommen. Es ist vor allem dieser Punkt, der den Brexiteers missfällt. Immerhin war die Beschränkung der Zuwanderung das Hauptargument für den EU-Austritt.

4. Wie wahrscheinlich ist es, dass die Abstimmung zugunsten Mays ausgeht?

Um ihren Scheidungsdeal durchzuboxen braucht May 320 von 639 Stimmen im Unterhaus. Momentan sind die Zweifler in der Mehrheit, May hat sowohl die Pro-Europäer als auch die "Brextremisten" gegen sich. Die Charme-Offensive der britischen Premierministerin scheint an beiden Lagern abzuprallen. Da halfen weder plötzliche Beförderungen oder Ehrungen für Abgeordnete noch das Versprechen, Nordirland mehr Geld zu überweisen.

Nicht einmal ihre eigene Partei, die konservativen Tories, steht geschlossen hinter der Premierministerin. Wie viele von ihnen am Ende für sie stimmen werden, ist schwer zu sagen. Im Parlament verfügt Mays Regierung über eine hauchdünne Mehrheit - und nicht einmal auf die ist Verlass. 57 der konservativen Parlamentarier haben sich bereits öffentlich gegen Mays Deal ausgesprochen. Als absolut loyal gelten nur rund 150 Abgeordnete aus der konservativen Fraktion.

May bräuchte also die Stimmen dutzender oppositioneller Labour-Leute - eine äußerst optimistische Hoffnung. Labour-Chef Jeremy Corbyn bezeichnet das Abkommen als "Akt nationaler Selbstverletzung". Er hofft auf ein Scheitern des Abkommens und spekuliert auf Neuwahlen.

5. Was haben die Kritiker gegen das Abkommen, das May mit Brüssel ausverhandelt hat?

Die britische Premierministerin kämpft an allen Fronten: Dem Brexit-Lager ist der Bruch mit der EU nicht hart genug. Die Brexit-Gegner lehnen den Vertrag ab, weil er gegenüber der echten Mitgliedschaft nur Nachteile bringt. Denn mit Mays Plan wäre London immer noch an die Entscheidungen Brüssels gebunden, ohne daran mitwirken zu können. Weil es sich an EU-Regeln halten müsste, könnte das Königreich in der Übergangsphase zudem keine neuen Freihandelsverträge mit Drittstaaten abschließen.

Die Protestanten von der nordischen Democratic Unionist Party (DUP), mit der May de facto koaliert, stoßen sich am "Backstop": Durch ihn gebe es keine Grenzkontrollen auf der irischen Insel, Nordirland wäre enger an die EU - und somit auch an Irland - gebunden. Doch die DUP will eine Sonderregelung Nordirlands auf jeden Fall verhindern - und wird im britischen Parlament gegen Mays Deal stimmen.