6. Was geschieht, wenn die Abgeordneten in Westminster den Scheidungsvertrag ablehnen?

Das ist sehr schwer vorherzusehen. Als Premierministerin wäre May wohl am Ende, es könnte Neuwahlen geben. Auch ein "Brexident", also ein Austritt ohne Abkommen, ist nicht auszuschließen. Dabei handelt es sich allerdings um das Worst-Case-Szenario, das wohl alle Parteien im Brexit-Streit verhindern wollen.

7. Was ist dann zu tun?

Was das Vereinigte Königreich braucht, ist ein Aufschub des Brexit - diese Überzeugung gewinnt in London unter den Kritikern Mays mehr und mehr an Boden. Am Montag hat sich auch die SNP dieser Forderung angeschlossen. Die Regierung solle die Zeit nutzen, um einen besseren Deal auszuverhandeln.

Auch die Idee eines neuen Referendums gewinnt an Popularität. So meint etwa die konservative Ex-Ministerin Justine Greening, der Austritt könne bis Juli verzögert werden, um Zeit für eine zweite Volksbefragung zu schaffen. Ein solches Referendum kann auch relativ kurzfristig angesetzt werden - Brüssel würde dabei wohl nicht im Weg stehen. Doch die Zeit drängt. Der EU liegt viel daran, dass der Brexit vor den EU-Wahlen im kommenden May abgeschlossen ist. Sonst müsste sich das Vereinigte Königreich als Noch-Mitglied an den Wahlen beteiligen - um danach auszutreten? Eine absurde Vorstellung.

Eines wurde seit dem britischen Referendum immer deutlicher: Brüssel hält im Brexit-Dilemma alle Karten in der Hand. In London hat die Regierung lange gezögert, zu lange vielleicht. Nun scheint sich May in einer Sackgasse verlaufen zu haben. Wird der Austritt nicht verhindert oder verzögert, dann scheidet das Vereinigte Königreich am 29. März 2019 aus der Union aus - ob mit oder ohne Abkommen.