Addis Abeba. Mit einem Besuch im Vorzeigeland Äthiopien hat Bundeskanzler Sebastian Kurz seine dreitägige Ostafrika-Reise gestartet. Man erwarte sich vor allem stärkere Handelsbeziehungen, Investitionen und technischen Austausch, erklärten Kurz und der äthiopische Premier Abiy Ahmed bei einer gemeinsamen Pressekonferenz in der Hauptstadt Addis Abeba.

Bei dem Besuch geht es um die Vorbereitung des EU-Afrika-Gipfels, der am 17. und 18. Dezember in Wien über die Bühne gehen wird.

Österreich sei einer der "ältesten Freunde" Äthiopiens, betonte Premier Abiy, der Kurz mehrmals als seinen "Bruder" bezeichnete und von einem "historischen Besuch" sprach. Das Gespräch sei "sehr ergiebig" gewesen. Er hoffe nun, dass dem auch Resultate folgen werden, so der äthiopische Premier, der jüngste Regierungschef Afrikas. Kurz wiederum sprach Abiy seine Anerkennung für die Reformen der vergangenen Monate aus.

Premier Abiy ist erst seit dem heurigen April im Amt - und er hat große Pläne. Nachdem er sich in diesem Sommer scheinbar über Nacht mit dem Nachbarland Eritrea aussöhnte und einen Kompromissvorschlag für die Grenzziehung akzeptiert hatte, versucht er, demokratische Reformen voranzutreiben. Ein viel kritisiertes NGO-Gesetz wurde erneuert und soll der Zivilgesellschaft wieder mehr Raum geben. Die Hälfte der neuen Regierung ist weiblich, so auch das Staatsoberhaupt, die Vorsitzende der Wahlkommission und des Obersten Gerichtshofes. Hier sei Äthiopien jedenfalls ein Vorbild, dem Österreich folgen werde, scherzte Kurz in Anspielung auf den vergleichsweise geringen Frauenanteil in der österreichischen Regierung.

In Äthiopien, so auch in Ruanda - die zweite Station des Trips - herrsche eine "Aufbruchsstimmung", so Kurz. Beobachter sprechen von einem Wandel "gigantischen" Ausmaßes. In Abiy wird große Hoffnung gesetzt, die Bevölkerung sieht ihn gerne als "Messias". Ob er den Erwartungen auch entsprechen kann? "Solange die Leute an unserer Seite sind, schaffen wir das", zeigte sich Abiy zuversichtlich.

Problematisch war bisher die Menschenrechtslage. Den Aspekt wolle er auf jeden Fall zur Sprache bringen, versicherte Kurz zu Beginn der Reise vor Journalisten, bei der Pressekonferenz war dies allerdings kein Thema. Bis vor der Öffnung des Landes wurde das Land am Horn von Afrika immer wieder wegen seiner autokratischen Regierungsführung kritisiert.

Kurz "großer Visionär"

Bisher sei Afrika von Europa oft ignoriert worden, kritisierte Abiy. Kurz wolle dies nun ändern, er sei ein "großer Visionär", lobte der 42-jährige Äthiopier. Die dreitägige Afrika-Reise des Kanzlers dient vor allem der Vorbereitung des für 18. Dezember in Wien geplanten EU-Afrika-Forums. Dieses steht unter dem Motto "Innovation und Digitalisierung".

Tatsächlich sind Besuche österreichischer Kanzler in Subsahara-Afrika ziemlich rar. Seit Aufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen Äthiopien und Österreich vor mehr als 100 Jahren ist Kurz laut Botschaft in Addis Abeba der erste Regierungschef, der das Land besucht.