Auch Kramp-Karrenbauer und Spahn stellten die Flüchtlings- und Integrationspolitik in den Vordergrund. Kramp-Karrenbauer kämpfte gegen den Vorwurf an, sie sei zu liberal und auf Merkel-Linie, indem sie forderte, straffällige Asylwerber müssten auch in Kriegsgebiete wie Syrien abgeschoben werden. Dem widersprach sogar Innenminister Horst Seehofer, dessen Streit mit Merkel beim Thema Migration im Sommer fast zum Bruch zwischen CDU und CSU geführt hatte.

Gesundheitsminister Spahn fachte wiederum eine Debatte um den UN-Migrationspakt an. Der Bundestag verabschiedete daher einen Beschluss, wonach der Pakt "keine einklagbaren Rechte und Pflichten" beinhaltet. Dennoch wird auch beim bis Samstag dauernden CDU-Parteitag über das UN-Dokument abgestimmt - eine Symbolhandlung ohne jegliche gesetzliche Wirkung. Zudem bediente Spahn ein Thema, das bereits von der AfD besetzt ist.

AfD bleibt bei 15 Prozent

41 Prozent der Bürger sehen laut Forschungsgruppe Wahlen Ausländer, Integration und Flüchtlinge als wichtigstes Problem in Deutschland; das zweitwichtigste, Pensionen, folgt abgeschlagen mit 15 Prozent. Eine Strategie über die Migrations- und Integrationspolitik sind die drei CDU-Kandidaten jedoch schuldig geblieben. Und so hat die AfD während der acht Regionalkonferenzen mit Kramp-Karrenbauer, Spahn und Merz seit Mitte November und trotz der ausufernden Berichterstattung darüber kein bisschen an Popularität verloren.

Jene 15 Prozent für die AfD sind für die Union derzeit doppelt verloren. Denn eine Koalition mit der AfD kommt für die Bundespartei nicht infrage. Um die AfD zu dezimieren, taugt der alte Merkel-Kritiker Merz - wie auch Spahn, aber der scheint aus dem Rennen - besser als Kramp-Karrenbauer. Die Generalsekretärin ist wiederum das attraktivere Vorsitzangebot an jene bürgerlich-liberalen Wähler, die nach dem Union-Dauerstreit Richtung Grüne abgewandert sind. Ohne viel eigenes Zutun hält die Öko-Partei bei 22 Prozent.

Beide Flügel benötigen einander, will die CDU ihren Vorsatz der Volkspartei umsetzen. Erstes Vehikel könnte der Generalsekretärs-Posten sein. Kramp-Karrenbauer würde ein prononcierter Konservativer zur Seite gestellt. Für Merz bietet sich eine liberalere Person an, idealerweise aus einem Ost-Bundesland.