Paris. Bei Demonstrationen der "Gelbwesten" ist es in Paris erneut zu Ausschreitungen und Zusammenstößen mit der Polizei gekommen. In Paris war am Samstag ein massives Aufgebot an Sicherheitskräften im Einsatz, um erneute gewalttätige Krawalle zu verhindern. Am Nachmittag spitzte sich die Lage jedoch zu. Wieder brannten Autos, Geschäfte wurden angegriffen, Demonstranten versuchten, Barrikaden zu errichten. Auch in Belgien und den Niederlanden gingen Menschen in Warnwesten auf die Straße.

In Frankreich nahmen die Proteste jedoch wieder das größte Ausmaß an. Bis zum Abend haben sich rund 125.000 Menschen beteiligt, sagte Frankreichs Innenminister Christophe Castaner bei einer Pressekonferenz. Davon seien 10.000 in der Hauptstadt Paris gezählt worden. Insgesamt habe es landesweit 1723 vorläufige Festnahmen gegeben,
teilte das Innenministerium in Paris am Sonntag mit. Allein in der
Hauptstadt setzte die Polizei laut Präfektur 1082 Protestteilnehmer
vorläufig fest.

Für 1.220 der Betroffenen wurde anschließend eine Ingewahrsamnahme
angeordnet. In Frankreich können Betroffene bis zu 48 Stunden auch ohne
richterlichen Beschluss in Gewahrsam genommen werden, bei schweren
Verbrechen bis zu vier Tage bei Terrorismus bis zu sechs Tage.

Tränengas gegen "Gelbwesten"

Dieses Mal griff die Polizei schon vor Beginn der Proteste in Paris durch: Bereits in der Früh wurden mehrere Hundert Menschen festgenommen. Grund sei in den meisten Fällen gewesen, dass die Menschen sich einer Gruppe angeschlossen hätten, die "Gewalt gegen Personen oder die Zerstörung von Gegenständen" vorbereitet habe, hieß es bei der Polizei.

Bis zum frühen Abend stieg die Zahl der Festnahmen in Paris demnach auf mindestens 738 - deutlich mehr als am gesamten vergangenen Samstag. Mehr als 550 Menschen kamen in der Stadt in Gewahrsam. 55 wurden verletzt, darunter drei Einsatzkräfte.

Dennoch kam es ab dem Mittag in Paris vermehrt zu Spannungen und Zusammenstößen mit der Polizei. Vielerorts lagen Rauch und Tränengas-Dunst über den Straßen. Demonstranten rissen auf dem Prachtboulevard der Champs-Elysees Holzbretter herunter, die Schaufenster von Geschäften schützen sollten, wie der Sender BFMTV berichtete. Einzelne Geschäfte wurden demnach geplündert. Im Zentrum der Stadt gingen wieder Autos in Flammen auf. Vereinzelt setzte die Polizei in der Innenstadt Wasserwerfer ein, um Demonstranten zurückzudrängen, die versuchten, Barrikaden zu errichten.