Wien.  Vertreter aus Zivilgesellschaft, SPÖ und Grünen haben das kommende Woche in Wien stattfindende EU-Afrika-Forum scharf kritisiert. Das Treffen hochrangiger Politiker würde nur dazu dienen "schmierige Deals" zu schließen, so die stellvertretende Bezirksvorsteherin der Inneren Stadt, Mireille Ngosso, bei einer Pressekonferenz der "Plattform für eine menschliche Asylpolitik" in Wien.

Auch Faika El-Nagashi, Wiener Landtagsabgeordnete und Integrations- und Menschenrechtssprecherin der Wiener Grünen, befürchtete, dass bei dem Forum am Montag und Dienstag "skandalöse" Abkommen geschlossen werden, um die Menschen "weg von Europa zu halten". Nach Meinung El-Nagashis ist das offizielle Motto des Treffens, "Digitalisierung und Innovation", nur ein "Deckmantel", um im Hintergrund die "Ausbeutung" Afrikas und "Abschottungspolitik" der EU voranzutreiben.

Interesse internationaler Konzerne

Die europäisch-afrikanischen Beziehungen seien ohnedies meist nur im Interesse internationaler Konzerne, betonte die Grüne Landtagsabgeordnete. Europa beute Afrika "in kolonialer Art und Weise" aus, stimmte die Sprecherin der "Plattform für eine menschliche Asylpolitik", Brigitte Hornyik, zu. Europa habe Afrika noch nie als gleichwertigen Partner behandelt, so auch Ngosso. Mit einem "Protest gegen rassistische und ausbeuterische Abschottungspolitik" wolle man deshalb am Montag gegen das EU-Afrika-Forum mobilisieren, eine Demonstration unter dem Motto "Baut Brücken, nicht Mauern" findet am Montagabend auf der Reichsbrücke in Wien statt.

Mit dem Forum werde ein Schritt "weg von den Menschenrechten" gesetzt, waren sich die Teilnehmer der Pressekonferenz einig. Es trage auch nicht dazu bei, ein positiveres Bild von Afrika zu schaffen. Ganz im Gegenteil, so die Politikwissenschafterin Ishraga Mustafa Hamid: "Diktatoren werden nach Wien eingeladen", die diktatorischen Regime Afrikas würden so gestärkt. "Die Lösung" kann ihrer Meinung nach nur die Stärkung der Zivilgesellschaft sein. Mit ihrer Politik versuche die EU aber nur, all das "Chaos", das man in Afrika in den vergangenen Jahrzehnten verursacht hat, zu "verdecken", kritisierte Henrie Dennis, Gründerin von "Afro Rainbow Austria", einem Verein für LGBTIQ-Personen aus afrikanischen Ländern.