Budapest. Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orban hat die Protestaktionen gegen seine Regierung als "hysterische Kreischerei" kritisiert. Im Staatsrundfunk Kossuth Radio verteidigte Orban am Freitag das umstrittene neue Arbeitszeitgesetz, das wegen der massiven Ausdehnung der Überstunden von 250 auf 400 pro Jahr als "Sklavengesetz" bezeichnet wird.

Orban betonte, dass die Überstundenleistungen auf freiwilliger Basis erfolgten. "Wer das Gegenteil behauptet, der lügt", zitierte ihn die ungarische Nachrichtenagentur MTI. Orban kritisierte weiter "Gewalt und Vandalismus" während der Demonstrationen, was nichts mit politischer Meinungsäußerung gemein hätte.

Der rechtskonservative Ministerpräsident sah auch in diesem Fall seinen Lieblingsfeind George Soros am Werk. Die aggressivsten Demonstranten seien von Soros bezahlt worden, behauptete Orban. Die Demonstrationen gegen die Arbeitsgesetzreform seien nur ein "Vorwand" der Opposition, weil dieses Gesetz ein gutes Gesetz sei und jenen, die arbeiten wollen, dies ermögliche. In Ungarn herrsche Arbeitskräftemangel, so dass die Arbeitgeber die Arbeitnehmer "mit dem Lasso" einfangen müssten, sagte Orban nach Angaben des Internetportals "444.hu".

Orban lobte das Verhalten der Polizisten während der Demonstrationen. Diese seien geduldig gewesen bis "zur Grenze der Selbstgefährdung". Im Zusammenhang mit den EU-Wahlen im Mai 2019 hofft der Regierungschef, dass die Bürger der Staaten möglichst viele "national engagierte Abgeordnete" nach Brüssel entsenden, die die gegenwärtige "Windrichtung" drehen können.