Athen/Ankara. Der Streit um die Seegrenze und Territorialansprüche in der Ägäis zwischen Griechenland und der Türkei droht zu eskalieren. Türkische Kampfjets verletzten Ende der vergangenen Woche mehrmals den griechischen Luftraum. Athen ging daraufhin in die Offensive. Vorerst einmal nur verbal.

Nachdem sich türkische Kampfjets in der Nähe eines Hubschraubers gezeigt hatten, der mit Verteidigungsminister Panos Kamenos an Bord die zu Griechenland gehörende Insel Kastelorizo überflog, kündigte Kamenos mit Vergeltungsschlägen, sollte die Türkei die griechische Souveränität in der Ägäis nicht anerkennen.

Die Insel Kastelerizo, die im Lauf der beiden Weltkriege auch bereits unter der Verwaltung Frankreichs und Italiens gestanden war, liegt rund drei Kilometer vor der türkischen Küste und zählt rund 500 Einwohner. Die Türkei hat ihren Anspruch auf diese und weitere Inseln nie aufgegeben.

"Dem Erdboden gleich machen"

Generalstabschef Evangelos Apostolakis warnte die Türkei vor unbedachten Militäraktionen. Sollte nur ein türkischer Soldat seinen Fuß auf eine ägäische Felseninsel setzen, würde alles dem Erdboden gleichgemacht werden. "Wenn sie den geringsten Zug machen, werden wir sie vernichten. Das ist eine rote Linie, die von der Regierung vertreten wird."

Athen sei zwar an Frieden und Harmonie interessiert, die Geduld sei aber begrenzt: "Wir werden keinen einzigen Zentimeter unseres Landes hergeben." Eine militärische Konfrontation mit der Türkei sei nicht auszuschließen, warnte Apostolakis. Es werde jedoch alles getan, um kriegerische Auseinandersetzungen zu vermeiden. "Zusammen mit den USA und der Europäischen Union wollen wir sicherstellen, dass die Türken nicht bis zu diesem Punkt kommen."

Keine Einigung in Sicht

Die Türkei wiederum erklärte, sie werde sicherlich "keine vollendeten Tatsachen in der Ägäis und im Mittelmeerraum" akzeptieren. General Hulusi Akar, Chef des türkischen Generalstabs, erklärte, es gebe keine Chance, dass die Türkei "von den Rechten unseres Landes und unseres Volkes" ablasse.

Griechenland und die Türkei sind zwar offiziell NATO-Verbündete, doch kommt es immer wieder zu Konflikten. Die Feindseligkeiten zwischen Athen und Ankara kulminierten 1974 in der Zypern-Krise, als es nach dem Einmarsch türkischer Truppen in den Nordteil der Insel beinahe zu einem Krieg zwischen den beiden Ländern kam.

Derzeit gibt es in der Ägäis mehrere Streitpunkte. Dutzende kleine und oft unbewohnte Inseln machen die Seegrenze zwischen den beiden Staaten unübersichtlich. In den vergangenen Jahren kam es öfters zu Konfrontationen zwischen türkischen und griechischen Kriegsschiffen. Auch Kampfjets gerieten aneinander. Eine Einigung über die Seegrenzen und die damit verbundene territoriale Zugehörigkeit mancher Felseninseln ist nicht in Sicht.