Athen/Skopje. (czar/reu) Ein paar zusätzliche Stimmen würden schon genügen: Wenn sich der griechische Premier Alexis Tsipras am morgigen Mittwoch im Parlament in Athen der Vertrauensfrage stellt, pokert er zwar hoch, könnte aber gewinnen. Denn um das Votum in dem Haus mit seinen 300 Sitzen zu überstehen, braucht er zur Unterstützung seiner 145 Syriza-Abgeordneten gerade einmal sechs weitere Stimmen. Die könnten sogar von abtrünnigen Mandataren seines ehemaligen Koalitionspartners kommen.

Denn in der Regierung steht der linke Premier nun ohne seinen rechten Verbündeten da. Verteidigungsminister Panos Kammenos von der nationalistischen Partei Anel (Unabhängige Griechen) hatte am Sonntag seinen Rücktritt verkündet. Grund sind die Pläne zur Anerkennung eines neuen Namens für das benachbarte Mazedonien, die Kammenos ablehnt.

Damit wird die positive Dynamik der letzten Tage und Wochen gebremst. Am Freitag noch hatte das mazedonische Parlament einer Verfassungsänderung zugestimmt, die Teil eines Abkommens zwischen Athen und Skopje ist. Der Vertrag war ein Meilenstein zur Beilegung des jahrzehntelangen Namensstreits zwischen den zwei Staaten: Griechenland hatte sich zuvor geweigert, die Bezeichnung Mazedonien anzuerkennen, mit Verweis auf eine gleichnamige Provinz im Norden des Landes. Daher einigten sich die Regierungen auf "Nord-Mazedonien". Nach dem Votum in Skopje hätte das Abgeordnetenhaus in Athen die Vereinbarung ratifizieren sollen - und damit den Weg Mazedoniens zuerst in das Militärbündnis Nato und später in die Europäische Union freigeben können.

Vorgezogene Wahl möglich

Doch Kammenos und etliche konservative sowie nationalistische Griechen stellen sich gegen eine solche Lösung. Dennoch will Tsipras das Abkommen den Parlamentariern vorlegen, wenn er die Vertrauensabstimmung gewinnt. Zwei Anel-Abgeordnete - unter ihnen Tourismusministerin Elena Kountoura - haben sich am Montag bereits hinter den Premier gestellt. Prompt schloss Kammenos beide aus der Fraktion aus.

Einen neuen Verteidigungsminister hat Tsipras schon ernannt. Der bisherige Generalstabschef Evangelos Apostolakis soll das Amt übernehmen. Der Entschluss für den Admiral sei eine klare Nachricht nach innen und außen, sagte der Regierungschef bei einem Treffen mit dem designierten Minister in seinem Amtssitz. Apostolakis kündigte an, seine Pflicht unabhängig von politischen Parteien zu erfüllen.

Sollte Tsipras aber die Vertrauensabstimmung verlieren, will er vorgezogene Wahlen ansetzen, auch wenn seine Partei mittlerweile an Popularität eingebüßt hat. In Umfragen liegt Syriza zwischen acht und zwölf Punkten hinter der oppositionellen Nea Dimokratia mit mehr als 30 Prozent. Die konservative Partei lehnt das Abkommen mit Mazedonien ebenfalls ab.

Doch selbst wenn der Premier das Votum am Mittwoch übersteht, ist die politische Unsicherheit nicht gebannt. Denn die Mehrheitsverhältnisse bleiben knapp.