Bern/Budapest/Wien. Zum guten Ton antisemitischer Verschwörungstheorien zählt, Juden als homogene Masse zu sehen – eine Grundvoraussetzung für die "jüdische Weltverschwörung". Wie weit verbreitet und gleichzeitig leicht abrufbar diese Zerrbilder sind, hat sich in den vergangenen Jahren anhand einer Person manifestiert: George Soros.

Im Fall des mittlerweile 88-Jährigen vermengen sich politische, wirtschaftliche und religiöse Ressentiments, die im linken und rechten Spektrum anschlussfähig sind. Aufseiten der Linken wird Soros für seine Tätigkeit als Hedgefonds-Manager und Spekulant verurteilt. Wie Soros zu seinem Vermögen gekommen ist, muss kritisch betrachtet werden. Auffällig ist jedoch, dass diese Kritik bei anderen Finanzmogulen ausbleibt. Das Vermögen von Soros ist wiederum Basis für seine Philanthropie. Soros’ Open Society Foundations sind die drittgrößte gemeinnützige Stiftung der Welt, seine Leitidee ist die Durchsetzung demokratischer Spielregeln, ganz im Sinne von Karl Poppers Werk "Die offene Gesellschaft und ihre Feinde".

Soros’ gesellschaftsliberaler Ansatz ist wiederum Ungarns Premier Viktor Orbán ein Dorn im Auge – wie auch Politikern in Russland, Serbien, Mazedonien, Bulgarien, Rumänien und Israels Premier Benjamin Netanjahu.
Netanjahu war es laut der israelischen Zeitung "Haaretz" auch, der Orbán 2008 zwei Politikberater vermittelte: Arthur Finkelstein und dessen rechte Hand George Birnbaum. Letzterer gewährte nun Hannes Grassegger vom Schweizer Blatt "Das Magazin" Einblicke in seine Arbeit.
Jede Kampagne brauche einen Feind, war sich der 2017 verstorbene Finkelstein sicher. Schon unter dem damaligen US-Präsidenten Richard Nixon versuchte er, die Wählerschaft zu polarisieren und ein Klima der Angst zu schaffen. "Es muss so getan werden, als käme die Gefahr von links", riet er Nixon. Dieser müsse Themen setzen, vor denen sich die Bevölkerung fürchte. Das war 1972.

Finkelstein beriet später Ronald Reagan und George Bush senior, er erfand in den 1990ern Netanjahu und arbeitete später für Avigdor Lieberman.

Die Mitarbeiter Finkelsteins erhielten von den Auftraggebern den Spitznamen "Arthur’s kids". George Birnbaum galt als der Beste unter ihnen. 2006 gründete Birnbaum die Firma GEB International – mit Finkelstein als Partner. Gemeinsam wollten sie den osteuropäischen Markt erobern.