Skopje. Das griechische Parlament hat dem Abkommen zur Umbenennung Mazedoniens zugestimmt. In der Abstimmung am Freitag votierten die Abgeordneten der Regierungspartei von Alexis Tsipras sowie mehrere unabhängige Abgeordnete für die zwischen den Regierungen beider Länder ausgehandelte Vereinbarung. Demnach soll das Nachbarland künftig Republik Nordmazedonien heißen.

"Nordmazedonien" unter Dach und Fach

Damit ist die Umbenennung des nördlichen Nachbarn Griechenlands von bisher Republik Mazedonien in Nordmazedonien unter Dach und Fach. Das Parlament in Skopje hat bereits das Abkommen und die entsprechenden Verfassungsänderungen abgesegnet. Im Gegenzug für die Umbenennung des Nachbarlandes will Athen die Annäherung Skopjes an die EU sowie die Aufnahme des Nachbarn in die NATO nicht mehr blockieren.

Nationalisten in beiden Ländern hatten bis zuletzt gegen diese Vereinbarung protestiert. Im griechischen Parlament votierten am Freitag schlussendlich 153 Abgeordnete dafür, 146 dagegen und einer enthielt sich der Stimme. Dies teilte das Parlamentspräsidium mit.

Ein Staat wechselt den offiziellen Namen - Mazedonien kein Einzelfall
Es kommt öfter vor, dass Staaten sich umbenennen. Dafür gibt es verschiedene Gründe. Im Fall der Republik Mazedonien bzw. der Früheren Jugoslawischen Teilrepublik Mazedonien (Former Yugoslav Republic of Macedonia/FYROM) ist es ein Konflikt mit einem anderen Staat. In Beilegung des mehr als 20 Jahre dauernden Streits mit dem Nachbarn Griechenland soll sie künftig Republik Nordmazedonien heißen.

Österreich musste seinen Namen einst auch auf Druck von außen ändern. Die sogenannte Provisorische Nationalversammlung rief am 11. November 1918 die deutschösterreichische Republik aus und beschloss ein Gesetz über die Staats- und Regierungsform von DEUTSCHÖSTERREICH als Bestandteil des Deutschen Reiches. Am 10. September 1919 musste Österreich im Friedensvertrag von Saint-Germain dem Staatsnamen Republik Österreich und der Eigenstaatlichkeit gegenüber Deutschland zustimmen. Die Siegermächte des Ersten Weltkriegs bestanden darauf.

Das damalige Burma (Birma) wurde 1948 von Großbritannien in die Unabhängigkeit entlassen. Die Errichtung der Militärdiktatur 1962 hatte zunächst keine Folgen für den Staatsnamen. Erst 1974 rief General-Präsident Ne Win die Sozialistische Föderative Republik Burma aus. Ab 1988/89 hieß Burma Myanmar. Seit 1993 wurde über eine neue Verfassung beraten. Als neuer offizieller Name war Pyidaungsu Thamada Myanmar Naing-Ngan Daw (Republik der Union von Myanmar) vorgesehen. Er gilt aber erst seit 2010, als die Militärdiktatur beendet wurde.

Im Fall von SWASILAND aus dem Vorjahr war es der absolut herrschende König Mswati III., der anlässlich des 50. Jahrestags der Unabhängigkeit von Großbritannien verfügte, sein kleines Reich solle künftig offiziell den Namen Königreich von eSwatini tragen. Der fremdländische Namensteil "-land" in Swasiland wurde so getilgt. eSwatini heißt übersetzt "Land der Swasi".

Im Zuge der Entkolonialisierung haben viele Staaten nach der Unabhängigkeit oder später den Namen gewechselt, um mit der Fremdherrschaft auch in der Sprache zu brechen. Beispielsweise wurde aus RHODESIEN Simbabwe, NJASSALAND wurde zu Malawi, BETSCHUANALAND verschwand zugunsten von Botswana.

1919 wurde die französische Kolonie OBERVOLTA offiziell gegründet. Sie war Teil von Französisch-Westafrika. 1960 wurde Obervolta unabhängig. 1983 brachte ein Umsturz den linken Militärdiktator Thomas Sankara ans Ruder. Um Distanz zur kolonialen Vergangenheit herzustellen, benannte Sankara im Jahr darauf Obervolta in Burkina Faso ("Land der ehrenwerten Menschen") um.

Was ab 1964 Demokratische Republik Kongo hieß und heute wieder so heißt, sollte zwischen 1971 und 1997 Zaire genannt werden. Der autoritär regierenden Präsident Joseph-Desire Mobutu wollte es im Zuge seiner Afrikanisierungs-Politik so. Er verlangte "Authentizität", legte seine französischen Vornamen ab und nannte sich selbst fortan Mobutu Sese Seko Kuku Ngbendu wa Zabang ("der Krieger, der von Eroberung zu Eroberung schreitet, ohne Angst zu haben"). Dabei lag er beim Staatsnamen daneben: Während das Wort Kongo nicht auf die belgischen Kolonialherren zurückzuführen ist, geht Zaire auf die Portugiesen zurück, sie verballhornten die einheimischen Begriffe für den Unterlauf des Kongo-Flusses Nzere oder Nzadi zu Zaire.

Neue Staatsnamen entstehen auch, wenn mehrere Staaten zu einem neuen Gesamtstaat zusammengehen oder wenn ein Staat zerfällt. Die SOWJETUNION hatte von 1922 bis 1991 Bestand. Als JUGOSLAWIEN in den 90er-Jahren zerfiel, kamen Staaten zum Vorschein, die schon vorher als eigenständige Länder mehr oder weniger so existierten, wie Montenegro oder Kroatien. Die REPUBLIK KOSOVO allerdings war davor eine serbische Provinz und trat erst 2008 mit der Unabhängigkeitserklärung als eigener Staat auf, ebenso Mazedonien, das vorher zwar eigene Teilrepublik Jugoslawiens war aber nie ein souveräner Staat. Seit 2011 existiert der Südsudan neben dem Sudan, der durch die Abspaltung deutlicher kleiner wurde.

Gibt sich ein Staat ein neues System wird das oft von einer Umbenennung oder Namenszusätzen begleitet. Der Iran wurde nach der Revolution von 1979 offiziell zur ISLAMISCHEN REPUBLIK Iran. Erst 1935 hatte Herrscher Reza Schah den traditionellen Begriff PERSIEN geschliffen und durch Iran ("Land der Arier") ersetzt. Der Kommunismus machte aus China und anderen Staaten VOLKSREPUBLIKEN, die Tschechoslowakei von 1960-90 die Tschechoslowakische Sozialistische Republik. Als Muammar al-Gaddafi 1969 in Libyen an die Macht kam, errichtete er zunächst die Arabischen Republik Libyen, 1977 proklamierte er die Große Sozialistische Libysch-Arabische Volks-Jumhuriya, in der die Macht nominell bei Volkskongressen und -komitees, Gewerkschaften und Berufsverbänden, faktisch aber bei einem kleinen Personenkreis um Muammar al-Gaddafi lag. System und Staatsname hielten sich bis zu Gaddafis Sturz und Tötung 2011.

Staatsnamen verschwanden in ihrer deutschen Fassung oder sollten zumindest verschwinden, als Länder verfügten, dass sie nicht übersetzt oder eingedeutscht werden sollten, sondern nur in der Landessprache oder einer einzigen bestimmten Sprache. Das war der Fall bei Cote d'Ivoire oder Cabo Verde. 1985 waren Präsident Houphouet-Boigny die verschiedenen Varianten von Cote d'Ivoire in verschiedenen Übersetzungen zu viel. Nur noch Cote d'Ivoire sollte zulässig sein. Im deutschsprachigen Raum ist dennoch ELFENBEINKÜSTE sehr verbreitet geblieben. Die Einwohner werden in Eindeutschung des Französischen als Ivorer bezeichnet. Nach dem Willen der Regierung von Cabo Verde ("grüne Küste") sollte der portugiesische Ländername seit 2013 ebenfalls nicht übersetzt werden. Im Deutschen hält sich aber KAP VERDE (oder Kapverden oder Kapverdische Inseln).