Warum zieht die Premierministerin das Brexit-Ansuchen nicht einfach zurück - zum Beispiel mit der Aussicht auf künftige EU-Vertragsreformen, bei denen Großbritannien dann mitbestimmen könnte?

Sie sieht sich als Verteidigerin der Volksabstimmung vom Juni 2016. Es gibt einen rechtsstaatlichen Wettstreit in Großbritannien zwischen der direkten Demokratie durch Plebiszite und der repräsentativen Demokratie durch das Parlament. 300 Jahre lang war das Parlament das Höchste. In den vergangenen 40 Jahren hat das UK mit Volksabstimmungen experimentiert. Wir haben keine geschriebene Verfassung, die bestimmen würde, wie und wann ein Referendum abzuhalten wäre. Lediglich 37 Prozent aller Wahlberechtigten stimmten für den Brexit. Das ist ein sehr niedriger Wert, und es war kein rechtlich bindendes Referendum. May wurde Premierministerin aufgrund des Brexit-Referendums, sie verteidigt lieber die Referendumsdemokratie, anstatt zurückzukehren zur Demokratie durch das Parlament und gewählte Abgeordnete, die das letzte Wort haben sollten. Der Labour-Chef ist ebenfalls gegen ein zweites Referendum, weil er seit mehr als 40 Jahren EU-Skeptiker ist - er glaubt sogar, dass seine Idee vom Staatssozialismus umgesetzt werden kann, wenn das UK nicht unter den EU-Vorgaben leben muss.