Wien/Berlin/Brüssel/Peking. Chinas wachsender wirtschaftlicher Einfluss bereitet den Europäern Sorgen. Gleichzeitig kann er Unternehmen Argumente für Fusionen liefern. Ein Beispiel ist der geplante Zusammenschluss der Bahnsparten des deutschen Siemens-Konzerns und der französischen Alstom-Gruppe: Die Firmen verweisen eben darauf, dass die Chinesen auf den EU-Markt drängen und nur ein europäischer Großkonzern Paroli bieten könne.

Die EU-Kommission ist aber skeptisch und hat Einwände wegen möglicher Wettbewerbsverzerrungen. Am Mittwoch könnte sie ihre Entscheidung über die Fusionspläne bekanntgeben. Diese dürfte für Siemens und Alstom negativ ausfallen, wie sich im Vorfeld abzeichnete.

Die Regierungen in Berlin und Paris hingegen hatten das Vorhaben unterstützt. Ein "Airbus der Schiene", ein europäisches Gegenprojekt hätte es werden sollen. Noch am Dienstag plädierte der deutsche Wirtschaftsminister Peter Altmaier dafür, das EU-Wettbewerbsrecht auf den Prüfstand zu stellen, damit für deutsche und europäische Firmen ein internationaler Wettbewerb "auf Augenhöhe" möglich bleibe.

Investitionsvolumen gesunken

Wegen der Konkurrenz aus China und den USA will Altmaier den Standort Deutschland stärken. Bei der Präsentation der "Nationalen Industriestrategie 2030" stellte er Branchengrößen wie Siemens und ThyssenKrupp in den Mittelpunkt. "Der langfristige Erfolg und das Überleben solcher Unternehmen liegt im nationalen politischen und wirtschaftlichen Interesse", betonte der Minister.

Gleichzeitig gehört Deutschland - ähnlich wie Großbritannien - zu den beliebtesten Investitionszielen für China. Allerdings haben chinesische Unternehmen im Vorjahr in Europa erneut weniger zugekauft: Die Zahl der Übernahmen und Beteiligungen sank um ein Fünftel auf 196, und das Investitionsvolumen schrumpfte sogar um 46 Prozent auf 31,2 Milliarden US-Dollar (gut 27 Milliarden Euro). Das geht aus einer Studie des Beraters EY hervor.

Demnach fiel der Rückgang in Deutschland, wohin 10,7 Milliarden US-Dollar geflossen sind, von 54 auf 35 Transaktionen stärker aus als in Großbritannien. Auch in anderen großen Märkten wie Italien oder Frankreich gingen die Zukäufe zurück. In der Schweiz hat sich die Zahl der Deals hingegen fast verdoppelt, auf 13.

In Österreich wurden drei Transaktionen verzeichnet, zwei weniger als im Jahr zuvor. Größter Abschluss war der Kauf der Mehrheitsanteile an Wolford durch Fosun um insgesamt rund 75 Millionen Euro. Auf Platz zwei lag die Übernahme des oberösterreichischen Kranherstellers Voith durch Eurocrane China um rund 49 Millionen Euro. Die dritte Transaktion war der Einstieg einer von Ming Capital angeführten Investorenrunde um rund 25 Millionen Euro beim Biotech-Unternehmen Miracor, das mittlerweile nach Belgien abgewandert ist.

Der europaweit mit Abstand größte Deal war der Einstieg von Geely bei Daimler mit einem Volumen von geschätzt 8,9 Milliarden US-Dollar. Der zweitgrößte - noch nicht abgeschlossene -betrifft die Atomic-Mutter Amer Sports. Eine Investorengruppe unter Führung der chinesischen Anta Sports will den finnischen Sportausrüster übernehmen. EY beziffert den Transaktionswert mit 6,3 Milliarden Dollar.