Brüssel/Wien. Sobald die Schulglocke läutet, wimmelt es von Kindern und Jugendlichen in den Gängen des Bernoulli-Gymnasiums. 900 Schüler besuchen die 39 Klassen der AHS im 22. Wiener Gemeindebezirk. Sieben Schüler aus der 7. und 8. Schulstufe erwarten in diesem Tohuwabohu die Anweisungen des Spanischlehrers Markus Kraushofer. Er führt die kleine Gruppe in den Klassenraum der Erstklässler. Die sieben Schüler waren die ersten Teilnehmer bei einem Erasmus-Projekt des Bernoulli-Gymnasiums, organisiert von Kraushofer und seiner Kollegin Athanasia Siegl-Hadjiioannou.

Unter dem Begriff Erasmus+ werden diverse EU-Bildungsprojekte zusammengefasst. Im Zentrum des seit 1987 existierenden Programmes steht laut EU-Kommission die Förderung der Mobilität Jugendlicher, junger Erwachsener und Lehrpersonen zu Lernzwecken, für transnationale Kooperation und für die Stärkung europäischer Werte. 14,7 Milliarden Euro wurden für den Zeitraum von 2014 bis 2020 für die Förderung des Projektes bereitgestellt. Nach einem Rekordjahr 2017, in dem fast 800.000 junge Menschen an Erasmus+ Projekten teilnahmen, plant die EU-Kommission nun eine Verdoppelung des Budgets für 2021 bis 2027. Damit stehen 30 Milliarden Euro zur Verfügung. Mehr als 110.000 Schüler aus 7500 Schulen hatten 2017 die Möglichkeit, an einem geförderten Austauschprogramm wie jenem des Bernoulli-Gymnasiums teilzunehmen.

Die Erasmus-Schüler Lena, Chiara, Benjamin, Samara, Johannes, Adrian und Nadine (v. l. n. r.) beeindruckte vor allem die Gastfreundschaft. - © Greber
Die Erasmus-Schüler Lena, Chiara, Benjamin, Samara, Johannes, Adrian und Nadine (v. l. n. r.) beeindruckte vor allem die Gastfreundschaft. - © Greber


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"Man findet immer einen Weg zu kommunizieren"

Im Sommer hat sich das Lehrerteam Kraushofer und Siegl-Hadjiioannou über die Plattform eTwinning, die Schulen in Europa vernetzt, einem Erasmus-Projekt angeschlossen. Das Thema: "Kulturelles Erbe in Europa mit einem Blick auf Integration", Projektsprache ist Spanisch, Partnerländer sind Spanien, Italien und Bulgarien. Jedes Partnerland organisiert eine Woche Aufenthalt für die Schüler der jeweils anderen Schulen. Im Bernoulli-Gymnasium werden interessierte Schüler auf ihren einwöchigen Aufenthalt vorbereitet, müssen ein Heft zum Thema erarbeiten, werden Gastfamilien zugeteilt. "Jeder hat seine eigene Gastfamilie", erklärt Siegl-Hadjiioannou. "Die Zeiten, in denen sie sich treffen, und die Treffpunkte werden klar kommuniziert. Die Schüler werden dann von den ortskundigen Schülern begleitet. Die Lehrer sind alle im selben Hotel untergebracht, was auch hier das Wir-Gefühl stärkt." Finanziert wird das Projekt, das insgesamt drei Wochen Aufenthalt für jeweils sieben Schüler und zwei Lehrpersonen umfasst, mit EU-Fördermitteln. "Die Schüler bekommen die Unterkunft, den Flug und das Essen bezahlt; nur wenn sie sich zwischendurch selbst etwas kaufen, müssen sie das selber finanzieren", erläutert Siegl-Hadjiioannou.

"Wir haben sehr viel über die Stadt und das Land erfahren. Am meisten beeindruckt hat mich aber die Gastfreundschaft. Das war das Wichtigste für mich", fasst Samara Buniwer nach der Woche in Italien ihre Eindrücke zusammen. Gastfreundschaft - dieses Stichwort fällt immer wieder. Chiara Sebastianelli-Schoditsch erzählt, dass sie zahlreiche Mitglieder ihrer Gastfamilie kennengelernt hat: Oma, Tante, Cousins. Die Schüler haben auch gelernt, dass man sich mit Leuten anfreunden kann, egal welche Sprache man spricht: "Man findet immer einen Weg zu kommunizieren. Mit Händen, mit Lauten, mit Google-Übersetzer", meint Adrian Vicht-Otero. "Und man bekommt auch einen sehr schönen Eindruck vom Privatleben. Wir wurden wirklich sehr herzlich behandelt. Ich finde, wir könnten uns von dieser Gastfreundschaft eine Scheibe abschneiden."