Chisinau. (apa) In der Republik Moldau stehen am Sonntag Parlamentswahlen an. Mehr denn je gilt diese Wahl als richtungsentscheidend für das Land - zum einen zwischen pro-russischen und pro-europäischen Kräften, zum anderen in puncto Bestätigung oder Abwahl der Führung des bitterarmen Kleinstaats.

Drei, maximal vier Parteien und Wahlbündnisse dürften den Sprung ins Parlament schaffen. Sämtliche Umfrageergebnisse sehen die pro-russischen Sozialisten (PSRM) um Staatspräsident Igor Dodon deutlich vorn. Diese könnten bis zu 40,5 Prozent der Wählerstimmen einfahren, während die regierenden, nur dem Namen nach pro-europäischen Demokraten (PDM) des Oligarchen Vlad Plahotniuc auf maximal 16 Prozent kämen.

Das pro-westliche Wahlbündnis ACUM ("Jetzt") der außerparlamentarischen Opposition könnte als zweit- oder drittstärkste Partei im Parlament einziehen und bis zu 16 Prozent erreichen. Die "Shor-Partei" des Oligarchen Ilan Shor liegt bei sechs Prozent und läuft damit Gefahr, an der Parlamentshürde knapp zu scheitern. Letztere liegt bei sechs Prozent für Parteien und acht Prozent für Wahlbündnisse. Der 32-jährige moldauisch-israelische Geschäftsmann Shor soll 2014 in die Abzweigung einer Dollar-Milliardensumme von drei moldauischen Banken beteiligt gewesen sein.

Höhere Wahlbeteiligung erhofft

Moldauische Politikbeobachter rechnen trotz aller Politikverdrossenheit, Korruptionseklats, Krisen und Protesten der vergangenen Jahre diesmal mit einer höheren Wahlbeteiligung: Die Apathie der Wähler sei deutlich geringer, möglicherweise auch wegen des neuen Wahlsystems, sagte der Politologe Cornel Ciurea dem Sender NTV Moldova. Die meisten Politikwissenschafter schätzen, dass keine Partei eine Mehrheit erringen wird und die Moldau daher abermals auf eine monatelange Krise nebst anschließenden Neuwahlen zusteuert.

Die pro-russischen Sozialisten hätten zwar beste Aussichten, als stärkste Kraft aus dieser Wahl hervorzugehen, doch fehle ihnen ein Koalitionspartner. Niemand wolle sich mehr auf Verhandlungen mit Plahotniucs sogenannten Demokraten einlassen, da die Noch-Regierungspartei nur allzu gut dafür bekannt sei, ihrem Koalitionspartner in den Rücken zu fallen oder ihn gar vollständig zu vereinnahmen versuche, erläuterte der moldauische Politologe Igor Volnitchi.

"Garantiert kompliziert"

Ähnlich sieht das auch der rumänische Moldau-Experte Iulian Chifu: Die Mehrheitsbildung in der Moldau werde "garantiert kompliziert", da zum einen das pro-westliche Wahlbündnis ACUM von Anfang an jegliche Verhandlungen mit Dodons Sozialisten und Plahotniucs Demokraten ausgeschlossen habe.

Zeitgleich mit der Parlamentswahl steigt am Sonntag auf Initiative der grauen Eminenz des Landes, Oligarch Plahotniuc, auch ein Referendum über eine spätere Verschlankung des Parlaments von derzeit 101 auf 61 Sitze.