Chisinau. Für den Oligarchen Vlad Plahotniuc ist das Wahlergebnis in der Republik Moldau eine Ohrfeige. Seine pro-europäische, liberaldemokratische Regierungspartei PDM landete weit abgeschlagen auf Platz drei - nach den oppositionellen Sozialisten (PDRM), die nach Auszählung fast aller Stimmen 31,4 Prozent erreichten, und der prowestlichen Partei ACUM mit 26,1 Prozent.

Vor allem für den prorussischen Präsidenten Igor Dodon, der die Sozialisten unterstützt und mit Abstand der populärste Politiker des Landes ist, galt die Abstimmung vom Sonntag als Erfolg. Dennoch könnte Plahotniuc, der reichste Mann des ärmsten Landes Europas, als lachender Dritter aus dem Urnengang hervorgehen.

Keine Mehrheiten in Sicht

Dank des neuen Wahlrechts, bei dem neben Parteien mit ihren Listen auch Direktkandidaten zum Zuge kamen, kommt seine Partei auf 31 der 101 Parlamentsmandate - nur drei weniger als die siegreichen Sozialisten und 7 mehr als die erstmals angetretene ACUM haben. Die Kommunisten und die Liberalen scheiterten krachend an der Fünf-Prozent-Hürde.

Beobachter rechnen mit langwierigen Verhandlungen über eine Regierunsbildung. Plahotniuc, der durch dubiose Geschäfte zu seinem Reichtum gekommen sein soll, ließ keinen Zweifel an seinen Ambitionen auf die Führungsrolle in der künftigen Regierung. In einer ersten Reaktion nach der Wahl sagte er, dass er mit allen Parlamentsparteien Verhandlungen beginnen wolle. Allerdings dürfte das bestenfalls mit den Sozialisten und der Kleinpartei "Shor" (7 Mandate) möglich sein, da das prowestliche Wahlbündnis ACUM bereits vor der Wahl klargestellt hatte, für keinerlei Koalition mit den korruptionsumwitterten Demokraten oder den russlandfreundlichen Sozialisten zur Verfügung zu stehen. Die Beteiligung an der von massiven Manipulationsvorwürfen begleiteten Wahl war mit 49,08 Prozent so niedrig wie zuletzt 1994. 3,3 Millionen Menschen waren zu den Wahlurnen aufgerufen.