Bratislava. In den Wahlkampf vor der Präsidentschaftswahl in der Slowakei am Samstag hat sich der katholische Erzbischof von Trnava, Jan Orosch, eingeschaltet. Geistliche, die Präsidentschaftskandidaten mit liberalen Ansichten unterstützen, erklärte er vor Gläubigen zu Sündern, wie die slowakische Tageszeitung "Pravda" am Dienstag berichtete.

Seine letzte Sonntagspredigt in der Kathedrale von Trnava hatte Orosch nahezu komplett dem nahenden Urnengang gewidmet. Dabei mahnte er, Gläubige dürfen sich nicht "manipulieren lassen" um Kandidaten zu wählen, die Abtreibungen und homosexuelle Ehen unterstützen oder Kinderadoptionen durch homosexuelle Paare oder Euthanasie zustimmen würden. Leider müsse er aber feststellen, dass sich auch Geistliche solchen liberalen Ansichten anschließen, beklagte der Erzbischof. Sich im Fernsehen hinzustellen und die Kandidatin einer "ultraliberalen Partei" als Präsidentin zu propagieren sei eine "schwere Sünde", meinte er.

Caputova gegen "Spalter"

Zwar nannte Orosch keine Namen, es war jedoch klar ersichtlich, dass seine Kritik auf die liberale Wahlfavoritin Zuzana Caputova sowie ihrem bekannten Vorgänger im Posten, Robert Bezak, der sie im Wahlkampf öffentlich unterstützt hatte, abzielte. Der Erzbischof würde die Gesellschaft nicht vereinen, sondern nur weiter spalten, erklärte Caputova.

Die 45-jährige Wahlfavoritin ist Vizechefin und Präsidentschaftskandidatin der Progressiven Slowakei (PS), einer neugegründeten liberalen Partei, die derzeit noch nicht im Parlament vertreten ist. Im Wahlkampf hatte sie eingeschriebene Partnerschaften für Homosexuelle nicht abgelehnt.

Nicht zum ersten Mal greifen vorrangige Kirchenvertreter in den slowakischen Wahlkampf ein. Zu ähnlichen verbalen Attacken ist es schon bei der misslungenen Präsidentschaftskandidatur der späteren Ministerpräsidentin Iveta Radicova 2009 gekommen. Weite Teile der Slowakei sind sehr gläubig und konservativ.