Paris/Brüssel/Straßburg. (apa/afp/sei) In einer Finanzaffäre geht die Partei des französischen Präsidenten Emmanuel Macron auf Distanz zu den Liberalen im Europaparlament: Macrons Kampagnenleiter für die Europawahl, Stéphane Séjourné, machte deutlich, dass die Zusammenarbeit gefährdet sei.

Nach Recherchen französischer Medien hat die Liberalen-Fraktion Alde insgesamt 425.000 Euro von großen Konzernen wie Bayer, Walt Disney, Deloitte, Syngenta, Google und Uber angenommen - in Frankreich sind solche Spenden illegal.

"Weit verbreitete Praxis"

Die Alde unter ihrem Vorsitzenden Guy Verhofstadt strebte bisher mit Blick auf die Europawahl Ende Mai ein Bündnis mit Macrons Partei La République en Marche an. Nun erklärte Macrons Kampagnenleiter Séjourné aber: "Niemand von unseren Europaabgeordneten wird in der nächsten Legislaturperiode in einer politischen Gruppe sitzen, die eine solche Finanzierung toleriert."

Es sei "mit einem untadeligen demokratischen Leben unvereinbar", dass eine Fraktion Geld von Unternehmen annehme, sagte Séjourné. Nach den Berichten der Zeitung "Le Monde" und des Fernsehsenders France 2 finanzierte die Alde mit dem Geld seit 2014 ihre Jahrestreffen.

Alde-Sprecher Didrik de Schaetzen sagte dazu, solche Spenden seien "eine weit verbreitete Praxis" und auf europäischer Ebene "legal". Sie entsprächen rund vier Prozent der Gesamtfinanzierung der Liberalen-Gruppe. Die Parteispenden sind tatsächlich rechtens, die Parteien müssen Spenden über 12.000 Euro allerdings umgehend an die EU-Behörde für politische Parteien und Stiftungen melden - auch das hat Alde getan.