London/Brüssel. Einen "harten Brexit" - also einen Austritt Großbritanniens ohne Abkommen mit der EU - lehnte das britische Parlament am Mittwochabend ab. Davon zeigt sich die EU-Kommission allerdings unbeeindruckt. Sie weist darauf hin, dass es juristisch gesehen nicht ausreicht, gegen einen Austritt ohne Abkommen zu stimmen, um diesen abzuwenden: Man müsse dafür eine Vereinbarung annehmen. Die EU sei auf beide Möglichkeiten vorbereitet, ein Brexit mit einem Abkommen - oder ohne. Bis zum 20. März will Theresa May, die britische Premierministerin, erneut über das von ihr ausgehandelte Abkommen mit der EU abstimmen lassen. Das Chaos zwischen London und Brüssel ist damit perfekt.

Weitere Verhandlungen über den Deal lehnt Brüssel ab. "Dieser Vertrag ist der einzig mögliche Vertrag", sagte der Brexit-Chefverhandler der EU, Michel Barnier. Wenig begeistert zeigte sich der Franzose über eine mögliche Verschiebung des für den 29. März geplanten EU-Austritts. "Die Verhandlungen verlängern - wofür?", fragte er im Europaparlament in Straßburg. "Es ist vorbei." Am heutigen Donnerstag sollen die Abgeordneten in London über diese Option abstimmen. Doch bräuchten sie für die Umsetzung des Vorhabens die Zustimmung aller 27 verbliebenen Mitgliedstaaten. Brüssel hat bereits deutlich gemacht, dass eine Vertagung des Brexit nur infrage kommt, wenn die britische Regierung klar sagt, wie die zusätzliche Zeit genutzt werden soll. Bisher hat London kein klares Ziel vorgelegt.

Nur zwei Wochen vor dem geplanten Austrittsdatum steht das Königreich damit wieder am Anfang. Zwar gibt es viele mögliche Szenarien für den EU-Ausstieg - von einem harten Brexit über eine Softversion mit Verbleib in der Zollunion bis hin zu einem zweiten Referendum -, doch für keines davon findet sich derzeit eine Mehrheit im Unterhaus.

Gibt es keine klare Ansage aus London, ist die britische EU-Mitgliedschaft Ende März Geschichte.