Belgrad. Von einem Einlenken kann zwar nicht unbedingt die Rede sein, aber ein kleiner Schritt auf die Protestierenden zu ist es doch. Als der serbische Staatspräsident Aleksandar Vucic Gesprächsbereitschaft über den öffentlich-rechtlichen Fernsehsender RTS signalisierte, kam er tausenden Bürgern entgegen, die seit Monaten in Belgrad und anderen Städten für mehr Medienfreiheit demonstrieren. Gemeinsam mit Oppositionspolitikern werfen die Menschen dem Sender vor, Regierungspropaganda zu betreiben.

Am Wochenende war ein Grüppchen Demonstranten in das RTS-Gebäude eingedrungen. Die Anführer der Oppositionsallianz Bündnis für Serbien (SZS) forderten von der Geschäftsführung des Senders, ihnen eine Liveschaltung zu ermöglichen. Nach etwa zwei Stunden drängte eine Sonderpolizeieinheit die Menschen wieder raus.

Auch wenn Vucic daraufhin der Opposition vorwarf, einen "katastrophalen Fehler" begangen zu haben, bot er am Montag einen Dialog im Parlament zu dem Fernsehsender an. "Zu einem solchen Gespräch sind wir immer bereit", erklärte er.

Dass allerdings die Demonstrationen nun vollständig aufhören, ist unwahrscheinlich. Seit Dezember gehen die Menschen jeden Samstagabend auf die Straßen, um gegen einseitige Berichterstattung, aber auch gegen Vucic selbst und die von diesem kontrollierte Regierung zu protestieren. Dazu aufgerufen haben bisher vor allem Nichtregierungsorganisationen. Doch auch Oppositionelle beteiligen sich: Das Bündnis SZS, eine Gruppe von Parteien unterschiedlicher Ausrichtung, hat für den 13. April eine große Kundgebung in Belgrad angesetzt, zu der Anhänger aus allen Landesteilen erwartet werden.

Vucic, dem immer wieder autoritäre Tendenzen vorgeworfen werden, wird aber nicht nur von den Demonstranten unter Druck gesetzt. Auch die Beziehungen zum benachbarten Kosovo stellen eine Belastungsprobe für ihn und die Regierung dar. Zuletzt hagelte es in Belgrad heftige Kritik an einer Deklaration aus Pristina, in der die wechselseitige Anerkennung gefordert wird. Serbien weigert sich aber, die Unabhängigkeit seiner ehemaligen Provinz zu akzeptieren.

Unmut in Montenegro
und Albanien

Auch in anderen Ländern der südosteuropäischen Region äußerten Menschen am Wochenende ihre Unzufriedenheit mit ihren Staats- oder Regierungschefs. In Montenegro forderten Demonstranten den Rücktritt von Präsident Milo Djukanovic, der seit mehr als zwei Jahrzehnten die Politik des jüngsten Nato-Mitglieds und EU-Beitrittswerbers dominiert. In Albanien eskalierten die Proteste gegen das Kabinett von Edi Rama: Hunderte Menschen versuchten, das Parlament zu stürmen. Die Polizei setzte Wasserwerfer ein.