Einst ein begeisterter Politiker von Premier Viktor Orbans Partei Fidesz, ist Akos Hadhazy heute als parteiloser Abgeordneter ein erbitterter Kämpfer gegen die aus seiner Sicht von der nationalkonservativen Regierung Ungarns betriebene Klientelwirtschaft. Mit ihm sprach die "Wiener Zeitung" über den möglichen Rauswurf des Fidesz aus der europäischen Parteienfamilie EVP (Europäische Volkspartei), über den der Vorstand am Mittwoch beraten soll.

"Wiener Zeitung":Sollte die EVP Fidesz ausschließen?

Akos Hadhazy: Das ist jetzt völlig egal. Orban kümmert das nicht besonders. Ich würde anstelle der EVP die Mitgliedschaft nur suspendieren. Das wäre das Schlimmste für Orban. Dann wäre nämlich der Premier derjenige, der sagen müsste, dass er die Christdemokratie verlässt und in eine extremistischere Richtung geht. Die Entscheidung der EVP hätte Gewicht gehabt, wenn sie zwei Jahre früher gefallen wäre. Orban interessiert jetzt nur eins: Ob die EU-Fördermittel fließen oder nicht. Ich könnte unzählige Beispiele dafür nennen, wie Orban seine eigenen Leute aus EU-Mitteln bezahlt. Sein gefährliches politisches System wird mit EU-Geld aufrechterhalten.

Akos Hadhazy ist Tierarzt und Politiker. Ungarnweit bekannt wurde er 2013, als er Missbrauch bei der von der Regierung neu geregelten Verteilung von Lizenzen zum Tabakverkauf aufdeckte. - © Szilard Vörös/Est&Ost
Akos Hadhazy ist Tierarzt und Politiker. Ungarnweit bekannt wurde er 2013, als er Missbrauch bei der von der Regierung neu geregelten Verteilung von Lizenzen zum Tabakverkauf aufdeckte. - © Szilard Vörös/Est&Ost

Sollte Orban jetzt nicht ausgeschlossen werden - kann es sein, dass er nach der Europawahl erst recht die EVP verlässt, um sich einer der rechtsnationalen Fraktionen anzuschließen?

Es ist wichtig, zu verstehen, dass Ungarns Entwicklung jetzt stark dem russischen Weg ähnelt, seitdem Wladimir Putin die Führung übernommen und die Demokratie abgebaut hat. Es ähnelt auch Recep Tayyip Erdogans Weg in der Türkei. Dieser hat ja auch nicht zuerst seine Gegner ins Gefängnis geworfen, sondern ist schrittweise vorgegangen. Solange wir in der EU sind, kann Orban nicht bis zum Äußersten gehen. Wenn aber seine Mitstreiter die Wahl verlieren und wenn die EU-Förderungen ausbleiben, besteht die Gefahr, dass Orban versucht, das Land aus der Union zu führen. Wenn dann die Unzufriedenheit im Land wächst, wird er härtere Mittel anwenden müssen, um damit fertig zu werden.

In der EVP dominierte bisher die Meinung, dass Orban besser zu kontrollieren sei, wenn seine Partei dort bleibt.