Opposition in den Startlöchern

Ihren Deal will May trotz allem nicht für tot erklären. Am Montag suchte die Regierung hektisch nach Wegen, um die Unterhaus-Regel aus dem Jahr 1604, auf sich Bercow bezieht, zu umgehen. Setzt May sich bei ihren europäischen Amtskollegen für eine Verschiebung des Brexit ein, dann könnte das reichen, um Bercow zufriedenzustellen, hofft Steve Barclay. Der Brexit-Minister warnte davor, dass Großbritannien gar nicht aus der EU austreten könnte. "Entweder man hat einen Deal oder keinen oder man hat gar keinen Brexit", sagte er zur BBC.

Genau darauf hofft nun die Opposition: Sie besprach am Dienstag die Möglichkeit eines zweiten Referendums. Labour-Chef Jeremy Corbyn hatte sich lange gegen die Idee gesträubt, nun scheint er sich den Wünschen seiner Partei gefügt zu haben. Die schottische SNP, die walisische Plaid Cymru, die Liberaldemokraten und die Green Party sind schon lange dafür, das Volk noch einmal zum EU-Austritt zu befragen.

Die Opposition könnte zudem ein weiteres Misstrauensvotum gegen die Regierung ansetzen. Im Jänner war sie damit gescheitert, doch diesmal würden sich wohl auch Abgeordnete aus Mays Tory-Partei an der Meuterei beteiligen. Vor allem die Brexit-Hardliner unter den Konservativen sägen an Mays Sessel.

Hoffnung auf EU-Gipfel

Die Reaktionen aus Brüssel verrieten am Dienstag vor allem eines: Die Geduld mit den Briten ist endgültig am Ende. "Liebe Freunde in London, bitte liefert. Die Uhr tickt", sagte etwa Deutschlands Europa-Staatsminister Michael Roth. "Unsere Geduld als Europäische Union wird derzeit auf eine sehr harte Probe gestellt."

Doch der EU bleibt nichts übrig als abzuwarten. In Berlin sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel, sie werde bis zur letzten Stunde für einen geregelten Brexit kämpfen. Ohne eine klare Position der Briten könne die EU keine Entscheidung über eine Brexit-Verschiebung treffen. Merkel hofft, dass May beim EU-Gipfel am Donnerstag und Freitag in Brüssel klarmacht, was London nun plant.

Möglich ist nach dem Coup des Parlamentspräsidenten wieder (fast) alles: eine Verschiebung des Brexit, ein zweites Referendum und damit ein Rücktritt vom EU-Austritt. Die letzte Staffel in der Brexit-Groteske hat begonnen.