Fast 24 nach dem Völkermord in Srebrenica ist der ehemalige Serbenführer in Bosnien, Radovan Karadzic (73), zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Er gilt als politisch Hauptverantwortlicher des Verbrechens. Das verkündeten die Richter des internationalen Gerichtshofs MICT am Mittwoch in Den Haag. In erster Instanz war Karadzic noch zu 40 Jahren Haft verurteilt worden. Das Urteil ist endgültig.

Die Richter verurteilten den früheren Psychiater für Völkermord, Kriegsverbrechen sowie Verbrechen gegen die Menschlichkeit während des Balkan-Krieges in den 1990er Jahren. Er sei schuldig wegen Mordes, Verfolgung und Zwangsvertreibung bosnischer Muslime. Außerdem habe er die 44 Monate dauernde Belagerung der bosnischen Hauptstadt Sarajevo sowie den Völkermord in Srebrenica zu verantworten. In der Hauptstadt kamen während des Krieges rund 11.450 Menschen ums Leben, darunter 1.600 Kinder. Karadzic wird auch die Geiselnahme von UNO-Soldaten angelastet.

Beim Massaker von Srebrenica wurden im Juli 1995 mehr als 8000 Bosniaken von serbischen militärischen und paramilitärischen Einheiten unter General Ratko Mladic ermordet.

Karadzic war erst 2008 nach 13 Jahren auf der Flucht in Serbien als alternativer Heiler entdeckt und an das Gericht ausgeliefert worden.

Karadzic wurde in zehn von elf Anklagepunkten schuldig gesprochen, in einem Anklagepunkt, der sich auf sieben bosnischen Gemeinden bezieht, wurde Karadzic aus Mangel an Beweisen freigesprochen.

Der Urteilsverkündung wohnten in Den Haag zahlreiche Vertreter von Opferfamilien bei.