Beim Reingehen waren sich jedenfalls die meisten Gipfelteilnehmer einig, dass man den Aufschub nur mit Bedingungen gewähren will: Die Briten sollen den bereits zwei Mal abgelehnten Austrittsvertrag nächste Woche kurzfristig doch noch absegnen - so forderte es nicht nur Ratschef Tusk. Dann könnte man das neue Datum noch vor dem 29. März im Umlaufverfahren billigen.

Nur ist nach wie vor völlig unklar, wie die Mehrheit im britischen Parlament doch noch zustande kommen soll. Die Fronten dort scheinen seit Wochen betoniert. Die harten Brexit-Befürworter in Mays eigener Konservativer Partei lehnen den Deal ab, weil sie eine zu enge Bindung an die EU fürchten. Die Labour-Opposition ist dagegen, weil ihr die Bindung nicht eng genug ist. Und die nordirische DUP, auf deren Stimmen May angewiesen ist, blockiert aus Furcht vor einem Sonderstatus für Nordirland. Zeitdruck und Angst vor Chaos sollen die Mehrheitsverhältnisse doch noch in Bewegung bringen - so hoffen May und die EU seltsam einmütig.

Und wenn das nicht klappt? Auch darüber redeten die 27 Staats-und Regierungschefs am Donnerstagabend nach Angaben von Diplomaten. Ist kein Ausweg in Sicht, müsste man wohl nächste Woche auf einem Sondergipfel neu abwägen.

Die EU hat noch andere Probleme

Um den Sturz über die Klippe zu stoppen, könnte man vielleicht in letzter Sekunde einen längeren Aufschub anbieten. Dann müsste Großbritannien allerdings noch einmal an der Europawahl teilnehmen - nach einer Analyse der EU-Kommission gilt dies für jedes Datum ab Beginn der Wahl am 23. Mai. Das ist auch der Grund, warum zunächst ein kurzer Aufschub in Aussicht gestellt werden sollte.

So oder so will die EU das andauernde Gezänk endlich vom Tisch haben und sich wieder anderen Themen zuwenden - der globalen Lage etwa, China, dem Handel, dem Klimaschutz, der Zukunft Europas -, statt sich weiter mit den Schatten der Vergangenheit herumzuplagen. Kurioserweise sieht May das ganz genauso. In einer Rede am Mittwochabend an die Briten sagte sie: "Sie wollen, dass diese Phase des Brexit-Prozesses endlich vorbei und erledigt ist. Ich stimme zu. Ich bin auf Ihrer Seite." (apa, dpa, Verena Schmitt-Roschmann)