Welche Fehler werden bei Trennungen am häufigsten gemacht?

Wenn die Ehe kriselt, dann sollte man zuerst einmal einem Anwalt seines Vertrauens informieren und sich überlegen, was sind die Konsequenzen und Folgen, wenn ich mich trenne. Wovon werde ich leben? Wo ist mein Zuhause? Was ist mit den Kindern? Wer zahlt das Schulgeld? Wann kann ich mit den Kindern auf Urlaub fahren? Was passiert mit den gemeinsamen Schulden oder einem gemeinsamen Kredit? Kann ich damit leben, jedes zweite Jahr allein unter dem Christbaum zu sitzen? Man muss zuerst in Ruhe überlegen, ob man mit diesen Folgen überhaupt leben kann und leben möchte. Gewaltbeziehungen nehme ich davon natürlich explizit aus: Denn da gibt es nur einen einzigen möglichen Weg.

Welchen?

So schnell wie möglich raus aus dieser destruktiven Gewaltbeziehung und aus der Ehe. In anderen Fällen, wo man vielleicht einfach nicht mehr so glücklich ist und wo es für mich nicht mehr so gut passt, sollte man sich zuerst über die Folgen informieren. Und man sollte nicht gleich aufgeben: Vielleicht hilft ja eine Eheberatung oder Ehetherapie. Eine Ehe ist eben nicht immer Sonnenschein das ganze Jahr. Da gibt es ein Auf und Ab, glückliche Momente, aber eben auch Krisen. Man muss ja nicht gleich wegen ein wenig Gegenwind alles über Bord werfen.

Hätte man das vielleicht auch den Brexit-Leuten wie Nigel Farage von der EU-Austrittspartei Ukip oder den Konservativen wie Boris Johnson oder Michael Gove sagen sollen?

Da kommt wieder die Analogie zu einem Scheidungsfall ins Spiel: Immer wenn Personen mitspielen, die starke Eigeninteressen verfolgen, dann fehlt oft der Blick fürs große Ganze. Dann gewinnt das Ego die Oberhand. Zweitens: Im Brexit-Fall war es schwierig, die Bevölkerung über die Folgen zu informieren. Das sind hochkomplexe Sachfragen, aber bei vielen Briten und Britinnen ging es um ein Bauchgefühl, um Stimmungen. In einer Scheidungssache kann man sich wesentlich besser überlegen: ja oder nein. Da ist eine klare Entscheidung wesentlich einfacher. Die Frage ist doch, wie wäre das Referendum wohl ausgegangen, wenn man gefragt hätte: Wollt ihr einen Hard Brexit? Einen Soft Brexit? Eine Zollunion? Oder wollt ihr, dass alles so bleibt, wie es war, und wir in der EU bleiben?

Die nächste Parallele zwischen einer Scheidung und dem Brexit: Vielleicht ist das Problem ja gar nicht der Partner oder die Partnerin? Vielleicht ist das Problem, warum es im Leben nicht so rund läuft, ja immer man selbst. Und genauso beim Brexit: Vielleicht hat Großbritannien ein Problem. Und zwar mit dem Zustand des Landes und der Gesellschaft und nicht mit der EU?

Das Leben ist eben oft nicht so, wie man es sich erträumt hat. Man arbeitet hart, muss für die Kinder sorgen, will sich eine Wohnung oder ein Haus anschaffen. Irgendwann hat ein Paar dann keine Zeit mehr füreinander, weil man in der Arbeit untergeht und sich irgendwie verliert. Da kommt dann oft ein Dritter ins Spiel, alles scheint am Anfang aufregend, alles scheint so viel leichter, unbeschwerter, einfacher. Vielleicht war das für die Briten auch ein wenig so. Die Briten, die für den Brexit gestimmt haben, dachten wohl, mit Europa ist das alles schwierig und mühsam. Versuchen wir es mit dem alten imperialen Traum von Empire und der eigenen Größe! Die Realität sieht freilich anders aus: Die Alltagssorgen kommen irgendwann zurück und der Traum zerplatzt. Und am Ende steht man dann ganz allein da.