Diego Piacentini im Interview mit Thomas Seifert, dem stv. Chefredakteur der "Wiener Zeitung", auf der Bühne der Gov.Tech.Pioneers-Konferenz im Wiener Rathaus. - © Sebastian Kreuzberger
Diego Piacentini im Interview mit Thomas Seifert, dem stv. Chefredakteur der "Wiener Zeitung", auf der Bühne der Gov.Tech.Pioneers-Konferenz im Wiener Rathaus. - © Sebastian Kreuzberger

Wien. (red.) 20 Minuten sprach Diego Piacentini vor dem Publikum der Gov.Tech.Pioneers-Konferenz, bei der auch die "Wiener Zeitung" als Medienpartner präsent war. Der Italiener war einer der Gäste bei einer Veranstaltung im Wiener Rathaus, bei der die Themen Verwaltungsinnovation und Digitalisierung im Mittelpunkt standen, und redete über Verwaltungsreformen in Italien, den Kulturwandel in der italienischen Beamtenschaft und die Bürger-App "io", die in Zukunft die Behördenkontakte in Italien vereinfachen soll.

Fiat, Apple, Amazon

Dabei ist alleine die Biografie von Piacentini spannend: Er arbeitete am Beginn seiner Karriere für Fiat und wurde von Apple abgeworben - Piacentini war Experte für Auto-Leasing-Modelle und entwickelte für Apple ein Computer-Leasing-Modell für die damals noch sündteuren Apple-Desktop-Publishing-Systeme. Im Jahr 2000 interessierte sich Jeff Bezos für Piacentini, Amazon trieb damals die Expansion nach Europa voran. Das Unternehmen war aber nach dem Platzen der Dot-Com-Blase angeschlagen - trotzdem wechselte Piacentini zum E-Commerce-Unternehmen aus Seattle. Der Ökonom mit Abschluss an der privaten Mailänder Wirtschaftsuniversität Luigi Bocconi übernahm beim Online-Handelsgiganten die Europa-Aktivitäten, war aber auch in das Cloud-Geschäft sowie das Film- und Werbegeschäft mitinvolviert. 16 Jahre lang hatte
Piacentini als Vizepräsident des Unternehmens eng an der Seite von CEO Jeff Bezos gearbeitet.
Für Piacentini sollte sich sein Engagement auszahlen: Rund 150 Millionen Dollar ist sein Aktienpaket - das drittgrößte unter allen Amazon-Mitarbeitern - heute wert.

Eines Tages rief der damalige Premierminister Italiens, Matteo Renzi, bei ihm an und lud den Mailänder Piacentini ein, nach Rom zu kommen, um die Digitalisierungsinitiative zu übernehmen. Piacentini sprach mit Bezos, der ihm riet, er solle sich doch zwei Jahre Auszeit nehmen und danach entscheiden, was er weiter tun wolle. "Bezos fand die Idee, etwas für das Land, aus dem man stammt, zu tun, jedenfalls gut und richtig", sagte Piacentini im Gespräch mit der "Wiener Zeitung".

Also übersiedelte Piacentini nach Rom, in ein Büro im Palazzo Chigi, dem Sitz des Premierministers. Gehalt nahm er keines, "ich bin ja gut versorgt", sagt er. Dafür bestand er darauf, sich sein eigenes Team zusammenzustellen, und wollte weit reichende Befugnisse, um sich nicht gleich zu Beginn in den Fallstricken der Bürokratie zu verheddern. Er konnte aus tausenden Bewerbern die besten Informatiker, Netzwerk-Experten und Juristen auswählen, sein Team bestand am Ende aus etwas mehr als 40 Leuten.