Wien. (red) Europa und seine Bürger stehen vor den Europawahlen zwischen Frust und Lust, zwischen neuen Nationalismen, Gräben und Bruchlinien und einem Zusammenrücken angesichts von Brexit und Donald Trump. Bisher konnte die Perspektive von herannahenden Europawahlen aber keine demokratische Aufbruchsstimmung erzeugen und die Bürgerinnen und Bürger erleben die Europawahlen nicht als Möglichkeit, für eine Richtungsentscheidung über ihre politische Zukunft abzustimmen.

Auf Einladung der "Wiener Zeitung" und des Sozialforschungsinstituts Sora, das durch Christoph Hofinger und Günther Ogris repräsentiert war, diskutierten am Donnerstagabend Ulrike Liebert vom Jean Monnet Center for European Studies an der Universität Bremen, Philippe Narval, Geschäftsführer des Europäischen Forums Alpbach, und Paul Schmidt, Generalsekretär der Österreichischen Gesellschaft für Europapolitik. Wie ist die Lage der europäischen Demokratie aktuell zu bewerten? Was bringt der Europawahlkampf und was ist für die nächsten fünf Jahre zu erwarten? Welche Szenarien sind denkbar, um das notorische europäische "Demokratiedefizit" zu beheben? Antworten auf diese Fragen suchte der stellvertretende Chefredakteur der "Wiener Zeitung", Thomas Seifert, im Reitersaal der Oesterreichischen Kontrollbank.

Überraschend war, dass das Podium bemüht war, Optimismus zu verbreiten: Ulrike Liebert verwies auf das wiedererwachen von Bürgerbewegungen wie etwa #friday4future - angeführt von Greta Thunberg - , Paul Schmidt verwies auf den Brexit als mahnendes Beispiel dafür, was antieuropäische Populisten anrichten würden, und Philippe Narval hielt einen flammenden Appell für mehr Bürger-Engagement: "Versprecht mir, dass jeder hier im Raum drei andere dazu motiviert, am Sonntag, den 26. Mai zur Europawahl zu gehen." Narval, Generalsekretär des europäischen Forum Alpbach, bekam mehrfach Zwischenapplaus vom Publikum für sein Werben für mehr Bürger-Engagement und für mehr Leidenschaft in der Politik.