Helsinki. Mit hauchdünner Mehrheit vor den Rechtspopulisten haben Finnlands oppositionelle Sozialdemokraten die Parlamentswahl gewonnen. Die vom früheren Gewerkschaftschef Antti Rinne geführte Partei errang am Sonntag 40 Abgeordnetensitze - nur einen mehr als die rechtspopulistische Partei "Die wahren Finnen".

Rinne betonte Montag früh, bis Ende nächsten Monats eine Regierungskoalition bilden zu wollen, möglichst noch vor der Europawahl am 26. Mai. Am Donnerstag wollte sich die sozialdemokratische Parteiführung treffen, um ihre Chefunterhändler für die Koalitionsverhandlungen zu benennen. Erste Sondierungen sollten laut dem finnischen Rundfunk Yle schon am Montag stattfinden. Beobachter erklärten hingegen, sie rechneten mit einer breiten und nicht sehr effizienten Koalition, um eine Regierungsbeteiligung der Rechtsaußen-Partei zu verhindern.

Der Vorsprung der Sozialdemokraten (SDP) auf die "Wahren Finnen" betrug lediglich 0,2 Prozentpunkte, sie erreichten 17,7 Prozent der Stimmen. Die Sozialdemokraten könnten erstmals seit 16 Jahren wieder den Regierungschef stellen. "Wir wollen das Vertrauen der finnischen Bevölkerung wiederherstellen", sagte der 56-jährige Rinne.

17,5 Prozent für "Wahren Finnen"

Die "Wahren Finnen" (Finnen-Partei bzw. "Die Finnen") kam auf 17,5 Prozent der Stimmen und erhält damit 39 der 200 Sitze im Parlament. "Ich hätte ein solches Ergebnis nicht erwartet, keiner hätte dies erwartet", sagte Parteichef Jussi Halla-aho. Seine Partei sei bereit, in eine Regierungskoalition einzutreten, aber nicht "um jeden Preis".

Sollte die künftige Regierung nicht klar für eine "Reduzierung der humanitären Migration" eintreten, sehe er keine Möglichkeit für eine Regierungsbeteiligung, sagte Halla-aho der Zeitung "Helsingin Sanomat" (Montag). Die Finnen-Partei hatte mit einem scharfen Kurs gegen Einwanderung Wahlkampf gemacht und erklärt, die Flüchtlingsaufnahme auf "beinahe null" reduzieren zu wollen. Die Sozialdemokraten hatten dagegen in Aussicht gestellt, den Familiennachzug für Flüchtlinge erleichtern zu wollen.

Rinne sagte am Montag, er halte eine Zusammenarbeit mit Halla-ahos Partei für "unwahrscheinlich". Kurz nach der Wahl hatte er zunächst erklärt, er habe "Fragen" an die Partei. Dabei gehe es unter anderem um "Werte". Halla-aho sagte weiter, mit ihren 39 Parlamentssitzen könne die Partei künftig großen Einfluss auf die Einwanderungsdebatte ausüben - unabhängig davon, ob die Partei an der Regierung beteiligt sei oder nicht.