London. Die britische Premierministerin Theresa May muss sich möglicherweise früher als erwartet einem neuem Misstrauensvotum in ihrer Partei stellen. Das berichtete der britische "Telegraph" am Dienstag. Demnach könnte May am 12. Juni aus dem Amt gezwungen werden, sollte sie nicht bald ein Datum für ihren Rücktritt benennen.

Eigentlich kann laut den Regeln der Konservativen Partei bis Ende des Jahres kein neuer Misstrauensantrag gegen May eingebracht werden, nachdem ein erster Versuch im vergangenen Dezember gescheitert war. Doch das zuständige Parteikomitee sei entschlossen, die Regeln notfalls zu ändern, so der Bericht.

Das sogenannte 1922-Committee sollte demnach noch am Dienstagabend zusammentreten. Ein Misstrauensvotum könnte dann möglicherweise bereits Mitte Juni stattfinden.

Erste Kabinettssitzung nach Ostern

May leitete am Vormittag die erste Kabinettssitzung in London nach den Osterferien. Sie steht unter Druck, ihr Brexit-Abkommen noch vor der Wahl zum Europaparlament vom 23. bis 26. Mai ein weiteres Mal zur Abstimmung zu stellen und so eine Teilnahme Großbritanniens an der Wahl zu vermeiden. Bereits drei Mal hatten die Abgeordneten den Deal bereits abgelehnt. Der EU-Austritt wurde inzwischen auf den 31. Oktober verschoben.

Am Dienstagnachmittag sollten auch die Gespräche mit der Labour-Opposition über einen Ausweg aus der Sackgasse wieder aufgenommen werden. Die Chancen auf einen Durchbruch galten jedoch als gering.

Die Verhandlungen wurden vor Ostern kurzfristig sistiert, nachdem Corbyn vor weiteren Gesprächen einen möglichen Kompromissplan der Regierung für den Brexit verlangte. Ein solcher dürfte aber bisher nicht vorliegen, für die Dienstag-Sitzung gab es zunächst weder eine Tagesordnung noch neue Angebote, berichtete der "Guardian".

Jedenfalls sollen von Seiten der Konservativen der May-Stellvertreter David Lidington und Brexit-Minister Steve Barclay sowie von Labour Keir Starmer sowie Rebecca Long-Bailey teilnehmen.

EU-Wahl

May ist mit dem Brexit-Vertrag, den sie mit der EU ausgehandelt hat, auch wegen des Widerstands in den eigenen Reihen wiederholt im Parlament gescheitert. Die Frist für einen britischen EU-Ausstieg wurde deswegen vom 29. März zunächst auf den 12. April und dann auf den 31. Oktober verschoben. Die Briten müssen dann an den EU-Wahlen von 23. bis 26. Mai teilnehmen, wenn nicht in kürzester Zeit doch noch eine Einigung über einen sofortigen Ausstieg erzielt wird. Dies dürfte aber unwahrscheinlich sein. Auch die britischen Parteien bereiten sich schon auf die Europawahl-Teilnahme vor. (apa, dpa)