Madrid/Sevilla. Hier, in Andalusien, zeigt Germán Maldonado Rubio stolz seine beiden Armbänder. Das eine imitiert die spanische Nationalflagge. Beim anderen handelt es sich um ein grünes Gummi-Armband der neuen rechtspopulistischen Vox-Partei, auf dem "España Lo Primero" ("Spanien zuerst") steht.

Wie der Slogan ist auch das Wahlprogramm der erst vor fünf Jahren gegründeten Rechtspartei stark ans "America First" von Donald Trump angelehnt. Wie der US-Präsident fordert auch Vox-Gründer Santiago Abascal die sofortige Abschiebung illegaler Einwanderer. Er möchte sogar eine Mauer in den spanischen Nordafrika-Exklaven Ceuta und Melilla zu Marokko hochzuziehen.

Damit spricht Vox immer mehr Spanier an. Vor allem im strukturschwachen Andalusien im Süden des Landes, wo die Arbeitslosenquote mit 21 Prozent besonders hoch ist und der Migrationsdruck stetig steigt, seitdem sich die Flüchtlingsströme durch die Schließung der Balkan-Route zur Meerenge von Gibraltar nach Andalusien verlagert haben. "Ich habe nichts gegen Migranten. Aber die Einwanderung muss geregelt und reguliert werden. Es werden einfach zu viele", meint Germán Maldonado.

Ex-PP-Wähler Germán Maldonaldo stimmt diesmal für Vox. - © Meyer
Ex-PP-Wähler Germán Maldonaldo stimmt diesmal für Vox. - © Meyer

Für ihn ist die Zuwanderung aber nicht der Hauptgrund, weswegen er am kommenden Sonntag bei den spanischen Parlamentswahlen die Rechtspopulisten wählt.

Als selbständiger Kleinunternehmer fühlt sich Germán von den beiden großen Volksparteien im Stich gelassen - sowohl von den derzeit regierenden Sozialisten (PSOE) als auch dem konservativen Partido Popular (PP), der davor lange an der Macht war.

Germán, 43-jähriger Maurer, führt ein kleines Bauunternehmen in El Ejido, einem Küstenstädtchen mit 85.000 Einwohnern in der andalusischen Provinz Almería. Über Jahre blühte hier der Immobilienmarkt, von dem Germán mitprofitierte. Viele Ausländer bauten sich Häuser an der Mittelmeerküste. Die Region gilt als Gemüsegarten Spaniens. Kilometerweit breiten sich um El Ejido herum die Treibhäuser aus.

"Als die Immobilienblase platzte und die Wirtschaftskrise einsetzte, kam uns hier niemand zur Hilfe - weder die Sozialisten noch die Konservativen."

Oti Peña will keinen Pakt mit dem "separatistischen Teufel". - © Meyer
Oti Peña will keinen Pakt mit dem "separatistischen Teufel". - © Meyer

Von Vox verspricht er sich nun mehr Unterstützung. "Bei den Vox-Repräsentanten habe ich das Gefühl, sie kommen nicht nur hierher, um von sich ein Foto für die Zeitungen machen zu lassen. Sie haben viele Ideen, um vor allem uns Selbständige in der Provinz zu unterstützten", meint der Kleinunternehmer und nippt an seinem Café con Leche.

Eigentlich wählte Germán immer die konservative Volkspartei (PP). "Ich bin aber zutiefst enttäuscht von der Partei." Nicht nur wegen der zahlreichen Korruptionsskandale. Auch wegen der Halbherzigkeit, mit welcher der konservative Ministerpräsident Mariano Rajoy die Einheit Spaniens gegen die katalanischen Separatisten verteidigte.