Berlin. (czar) Zoran Zaev war der Erste. Der Ministerpräsident Nordmazedoniens führte den Reigen der Staats- und Regierungschefs an, die die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel in Berlin begrüßte. Gemeinsam mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte sie ihre Amtskollegen aus Südosteuropa zu einem Westbalkan-Gipfel geladen. Serbien, der Kosovo, Albanien, Montenegro, Nordmazedonien, Bosnien-Herzegowina - sie alle wünschen sich mehr Unterstützung von der EU in ihrem Annäherungsprozess an die Union.

Auf ihrem Weg dorthin befinden sie sich freilich auf unterschiedlichen Etappen. Nordmazedonien und Albanien hoffen, noch vor dem Sommer ein Datum für den Start von Beitrittsverhandlungen zu erhalten, die Serbien und Montenegro bereits mit der EU führen. Bosnien-Herzegowina wiederum ist noch weit davon entfernt: Das zersplitterte Land hat selbst mit der Regierungsbildung Schwierigkeiten.

Mehr Aufmerksamkeit erhält jedoch der schwelende Konflikt zwischen Serbien und dem Kosovo. Dass beim Berliner Treffen eine Lösung dafür gefunden wird, war zwar von vornherein nicht zu erwarten. Doch wollten Merkel und Macron die beiden Seiten zumindest wieder an einen Tisch bringen.

Zölle gegen Serbien

Der Zwist selbst bleibt aber verfahren. Serbien erkennt die Unabhängigkeit seiner ehemaligen Provinz nicht an - so wie fünf EU-Staaten. Eine Normalisierung der Beziehungen zwischen Belgrad und Pristina ist jedoch eine Voraussetzung für ein Weiterkommen Serbiens auf dessen Weg in die EU. Die Gespräche darüber sind aber zu einem Stillstand gekommen. Stattdessen kam es im vergangenen Jahr zu einer Eskalation: Serbien verhinderte die Aufnahme des Kosovo in die internationale Polizeiorganisation Interpol, und der Kosovo verhängte als Reaktion darauf Zölle auf Warenimporte aus Serbien.

Für Aufregung sorgte ebenfalls die Idee eines Gebietstauschs zwischen den Nachbarn. Sogar die EU, die lange Zeit neue Grenzziehungen auf dem Balkan abgelehnt hatte, da dies weitere Konflikte befeuern würde, gab ihren prinzipiellen Widerspruch auf. Lediglich Deutschland wandte sich dagegen.

Doch die - von Anfang an nicht präzisierten - Überlegungen dürften fürs Erste in den Hintergrund gerückt sein. Im Vorfeld der Zusammenkunft in Berlin erklärte der serbische Präsident Aleksandar Vucic, dass die Idee der "Grenzziehung mit den Kosovo-Albanern" gescheitert sei. Ähnlich äußerte sich sein kosovarischer Amtskollege Hashim Thaci. "Ich werde niemals einem Austausch von Territorien zustimmen", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Allerdings: Eine "Korrektur von Grenzen" sei vorstellbar.

Merkel und Macron drängten die zwei Staaten dazu, ihre Streitigkeiten beizulegen. Fortschritte auf dem Westbalkan seien nur möglich, wenn einzelne Länder nicht gegeneinander arbeiteten, hieß es.

Ringen um Einfluss

Parallel dazu müsste aber auch die EU ihr Engagement in der Region verstärken. Experten warnen immer wieder davor, die Staaten Südosteuropas aus dem Fokus der EU zu verlieren. Zum einen trägt nämlich Druck aus der EU dazu bei, die wirtschaftliche und demokratische Entwicklung in der Region zu fördern. Zum anderen gibt es auch weitere Akteure, die aus geostrategischen und politischen Gründen ihren Einfluss auf dem Westbalkan vergrößern wollen: China, Russland und die Türkei haben ihre Aktivitäten in den vergangenen Jahren deutlich ausgebaut.