Skopje. (czar) Johannes Hahn verweist schon auf Juni. Da, so hofft der EU-Erweiterungskommissar, werden die Staats- und Regierungschefs bei ihrem Gipfeltreffen den Start von EU-Beitrittsverhandlungen mit Nordmazedonien absegnen. Schon mehrmals hat die Brüsseler Behörde den Beginn der Gespräche empfohlen - immerhin ist das Balkan-Land seit 2005 bereits EU-Kandidat. Doch dazwischen lagen der Streit mit dem benachbarten Griechenland um den Staatsnamen, eine schwere Regierungs- und Verfassungskrise, dann vor zwei Jahren die Bildung eines neuen Kabinetts und schließlich der entscheidende Kompromiss zwischen Skopje und Athen, mit der Einigung auf die Bezeichnung Nordmazedonien.

Einige der gewichtigsten Hürden für das Land auf dessen Weg in das Militärbündnis Nato und in die Europäische Union sind nun beseitigt. Und eine Bestätigung für den Annäherungskurs lieferte das Ergebnis der Präsidentenwahl am Sonntag. Das Votum konnte Stevo Pendarovski für sich entscheiden, den die gemeinsam mit albanischen Parteien regierenden Sozialdemokraten unterstützten. Er erhielt knapp 52 Prozent der Stimmen; seine Konkurrentin Gordana Siljanovska-Davkova kam auf knapp 45 Prozent. Sie war von der nationalkonservativen VMRO-DPMNE nominiert worden.

Dieser steht auch der bisher amtierende Präsident Gjorge Ivanov nahe, der in den vergangenen Jahren für politische Zwistigkeiten gesorgt hatte. So hatte er die Vereinbarung mit Athen über den Landesnamen abgelehnt.

Sein Nachfolger Pendarovski unterstrich daher schon: "Ich werde einen und nicht spalten." Er wolle ein Staatsoberhaupt "aller Bürger" sein, kündigte der 56-jährige Universitätsprofessor an, der Sicherheitsberater zweier Präsidenten und zuletzt Koordinator für den Nato-Beitritt seines Landes war.

Signal an gesamte Region

Dementsprechend herzlich fielen die Gratulationen aus. Kommissar Hahn schrieb per Kurznachrichtendienst Twitter, dass er sich auf die Fortsetzung der Zusammenarbeit mit Skopje freue - und verwies dort eben auf den Juni-Gipfel. Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg wiederum erklärte, "ungeduldig" darauf zu warten, mit Pendarovski an der Aufnahme Nordmazedoniens in die Militärallianz zu arbeiten.

Während das südosteuropäische Land tatsächlich bereits im kommenden Jahr Mitglied des transatlantischen Bündnisses sein könnte, ist sein EU-Beitritt noch nicht in Sicht. Denn das Thema EU-Erweiterung löst Skepsis in weiten Teilen vor allem Westeuropas aus. Zwar sicherte beispielsweise Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz Nordmazedonien seine Unterstützung zu. Doch Länder wie Frankreich zeigen sich da reservierter: Präsident Emmanuel Macron hatte wiederholt betont, dass sich die EU zunächst einmal eher vertiefen denn vergrößern sollte.

Allerdings sind etliche Experten der Meinung, dass Skopje genügend Fortschritte erzielt hätte, um in einigen Wochen ein Datum für den Beginn von Beitrittsverhandlungen mit Brüssel zu erhalten. Sie warnen davor, das Land zu entmutigen - was der Fall wäre, wenn der Gesprächsstart weiter hinausgezögert würde. Das wäre ein negatives Signal nicht nur für Nordmazedonien sondern für die gesamte Region.