Brüssel/Wien. Bei allen Untergangsszenarien: Es gibt sie doch noch, Länder, in denen linke Parteien Chancen auf Wahlsiege haben. Im Europawahlkampf für den Urnengang Ende Mai liegen sie in acht von 28 Ländern in Führung.

Allerdings ist nur einer der fünf bevölkerungsreichsten EU-Staaten darunter: Spanien. Die Sozialisten unter Ministerpräsident Pedro Sanchez dürften wie schon bei der Parlamentswahl im April gewinnen, bis zu 18 EU-Sitze und 23 Prozent der Stimmen sollten drin sein, glaubt man den Umfragen. Großer Verlierer ist abermals der konservative PP mit bis zu fünf Sitzen Minus. Damit würde der PP auf elf Prozent abstürzen.

Spaniens Premier profitiert von Rechtspopulisten

Ein wichtiger Grund für den Erfolg der Roten in Spanien ist das Erstarken der Rechtspopulisten mit dem Parteinamen "Vox", die bei der Parlamentswahl aus dem Stand auf neun Prozent gekommen sind. Premier Sanchez, als "Pedro der Schöne" bekannt, profitiert von der Angst vieler Spanier, dass die Konservativen gemeinsame Sache mit den Rechtspopulisten machen könnten. Ein Blick nach Österreich lehrt, dass diese Vorbehalte nicht völlig aus der Luft gegriffen sind.

Abseits davon dürfte die Wahlbeteiligung in Spanien diesmal einen Rekordwert verzeichnen. Was die Menschen an die Urnen lockt, sind die Gemeinde- und Regionalwahlen, die am gleichen Tag stattfinden. Es sind Themen wie der Unabhängigkeitskonflikt um Katalonien, die spanisches Blut in Wallung bringen - wovon indirekt das EU-Votum profitiert, das "mitgenommen" wird.

Im Nachbarland Portugal regieren die Sozialisten. Ob sie die EU-Wahlen für sich entscheiden können, ist ungewiss. Absehbar ist ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit den Konservativen, wobei die Roten laut Umfragen die Nase knapp vorne haben. Die kommunistische Linksallianz CDU hat gute Chancen auf den dritten Platz, dicht gefolgt vom Linksblock BE. Rechtspopulisten spielen in Portugal keine Rolle. Der sozialistische Ministerpräsident Antonio Costa führt seit vier Jahren eine Minderheitsregierung an, in den Augen zahlreicher Portugiesen hat er vieles richtig gemacht. Das Budgetdefizit wurde verringert, die erdrückenden Sparmaßnahmen der Konservativen wurden gelockert, die Steuern für Geringverdiener gesenkt, Pensionen und Mindestlohn erhöht. Die Wirtschaft wächst, die Arbeitslosigkeit sinkt, viele Junge kehren wieder in ihre Heimat zurück.

Auch in Portugal geht es bei der EU-Wahl vor allem um Innenpolitik. Im Oktober findet die Parlamentswahl statt, das EU-Votum gilt als Stimmungstest. Derzeit ist ein Streit über Lehrergehälter entbrannt, Costa ist in dieser Frage im Clinch mit seinen linken Partnern.