Mailand. Überschattet vom Rücktritt von Vizekanzler und FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache hat am Samstag die große Veranstaltung rechtspopulistischer Parteien in Mailand begonnen. Zehntausende Aktivisten von Lega versammelten sich auf der zentralen Piazza Venezia und defilierten dann zum Mailänder Domplatz, wo die Veranstaltung mit elf europäischen Parteien organisiert wurde.

Eine Woche vor der Europawahl warben die Parteien unter der Regie des italienischen Innenministers und Lega-Chefs Salvini für ihre Allianz "Europa des gesunden Menschenverstandes", die im Europaparlament eine große Fraktion gründen soll. Diese soll laut Salvinis Angaben "Europäische Allianz der Nationen und der Völker" heißen.

Mit Salvini traten auf der großen Bühne unweit des Mailänder Doms Jörg Meuthen von der Alternative für Deutschland (AfD), Marine Le Pen von der französischen Nationalen Sammlungsbewegung (Rassemblement National, RN), und Geert Wilders von der niederländischen Freiheitspartei (PVV) auf. Sie warben zusammen für die rechtspopulistische Allianz, die Europa von innen erneuern solle.

Dem Bündnis haben sich inzwischen unter anderem der belgische Vlaams Belang, die Partei Wahre Finnen, die Dänische Volkspartei (DF), die tschechische Freiheit und direkte Demokratie (SPD), die bulgarische Volya-Partei, die slowakische SME Rodina sowie die estnische Konservative Volkspartei (EKRE) angeschlossen. Die Versuche Salvinis und Le Pens, auch die ungarische Fidesz von Regierungschef Viktor Orban für die Allianz zu gewinnen, sind bisher gescheitert.

Nach dem Eklat um das am Freitag publik gewordenen Video Straches hat der Spitzenkandidat der FPÖ für die Europawahl, Harald Vilimsky, seine Teilnahme an der Großveranstaltung in Mailand abgesagt. Die FPÖ wurde in Mailand vom Europaabgeordneten Georg Mayer vertreten. Gegen alle Widrigkeiten ist es uns gelungen, eine Allianz aus Parteien aufzubauen, die gut zusammenarbeiten", sagte Mayer.

Umfragen zufolge dürften rechtspopulistische und europafeindliche Parteien in zahlreichen EU-Staaten bei der nächste Woche anstehenden Europawahl deutlich zulegen. Salvinis Lega etwa könnte mehr als 30 Prozent der Stimmen einfahren und damit zur stärksten Kraft in Italien werden.