Weber will nicht mit Rechtspopulisten zusammenarbeiten 

Deshalb sorgte es gerade beim EVP-Spitzenkandidaten Weber für Erleichterung, als Kurz am Samstagabend das Ende der Wiener Koalition und Neuwahlen verkündete. Damit scheint eine offene Flanke in der heißen Phase des Wahlkampfes geschlossen zu werden. Eine politische Frontenbegradigung hatte CSU-Vize Weber mit Blick auf seine eigene Glaubwürdigkeit und die schwierigen Mehrheitsverhältnisse im Europäischen Parlament bereits selbst versucht. Nach langen Jahren allenfalls moderater Kritik an Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban stimmte Weber ebenfalls für ein Rechtsstaatsverfahren der EU-Kommission gegen Ungarn und sprach sich für die Suspendierung von dessen Fidesz-Partei aus der EVP aus.

In Zagreb wiederholte Weber die Zusage, dass er sich auf keinen Fall mit den Stimmen rechter Parteien zum EU-Kommissionspräsidenten wählen lassen werde. Diese Festlegung gilt als Voraussetzung dafür, dass Sozialdemokraten und Grünen im europäischen Parlament überhaupt bereit sein könnten, für ihn als EU-Kommissionspräsidenten zu votieren. "Ich werde gegen alle kämpfen, die Europa zerstören werden - die Nationalisten, Populisten", versprach Weber in Zagreb kämpferisch.

Gerade weil die Wiener Tumulte ihren Auftritt in Zagreb überschatteten, konnte Merkel dort eine ganze eigene Rolle als Retterin Europas spielen. Sie war schon bei ihrer Ankunft in der Halle euphorisch empfangen worden. Dass Merkel am Ende auf der rund 90-minütigen Wahlkampfveranstaltung nur elf Minuten redete, tat der Begeisterung keinen Abbruch. "Patriotismus und die Europäische Union sind kein Gegensatz. Der Nationalismus ist der Feind des europäischen Projekts", rief sie den 5.000 Kroatien-Fähnchen schwingenden HDZ-Anhängern zu, nachdem alle auch die Europa-Hymne gesungen hatten.

Mit Wohlwollen dürfte übrigens ein Mann im fernen Paris die Entwicklungen des Wochenendes beobachtet haben - Frankreichs Präsident Emmanuel Macron. Seit Monaten spricht er unter dem Eindruck der Besonderheiten des französischen Wahlkampfes von einer Schicksalswahl der Pro-Europäer gegen die Europagegner. Bisher hatten gerade Merkel und CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer jedoch betont, der Wahlkampf solle vor allem die Unterschiede zwischen den moderaten Parteien deutlich machen. Dank der FPÖ erhält die Endphase des Wahlkampfes jetzt aber genau den von Macron gewünschten Charakter einer Richtungsentscheidung über die Zukunft der EU. (reuters/Andreas Rinke)