Den Haag/London. Die Europawahl hat begonnen. Als erste stimmen seit Donnerstag früh die Bürger in den Niederlanden sowie in Großbritannien ab  -  obwohl die Briten die Europäische Union Ende Oktober verlassen wollen. Bis zum Sonntag können bei der "Superwahl" rund 418 Millionen Menschen in den 28 EU-Mitgliedsstaaten 751 neue EU-Abgeordnete bestimmen. Österreich wählt wie die meisten anderen EU-Staaten am Sonntag.

Der Wahlausgang entscheidet nicht nur über die Sitzverteilung im EU-Parlament und die Chancen der Spitzenkandidaten auf das Amt des EU-Kommissionschefs. In fast allen Ländern gilt die Wahl als Stimmungstest für die aktuelle Regierungsarbeit.

GB: Triumph für Brexit-Partei zeichnet sich ab

Gerechnet wird diesmal mit hohen Stimmanteilen für EU-kritische und rechtspopulistische Parteien, wobei der Einfluss der Ibiza-Affäre der FPÖ von Experten unterschiedlich bewertet wird. Die Gesetzgebung und die Besetzung von Spitzenposten in Brüssel wird jedenfalls aller Voraussicht nach ziemlich kompliziert. Die großen Parteienfamilien der Christdemokraten und Sozialdemokraten müssen im Vergleich zur Wahl 2014 deutliche Verluste befürchten. Voraussichtlich werden sie im EU-Parlament zusammen keine Mehrheit mehr haben, sondern auf Liberale, Grüne oder Linke angewiesen sein.

In Großbritannien zeichnet sich ein Triumph für die Brexit-Partei von Nigel Farage ab, die nach Umfragen bis zu 38 Prozent der Stimmen erhalten könnte. Auch die Liberaldemokraten und die Grünen, die sich gegen den EU-Austritt aussprechen, erleben wahre Höhenflüge.  Mit Spannung wird das Abschneiden des neuen Stars der rechten Szene, Thierry Baudet, und seines Forums für Demokratie (FvD) erwartet. Die Partei will ein Referendum über die niederländische EU-Mitgliedschaft und hatte überraschend die jüngste Provinzwahl gewonnen. (apa)