In Geiselhaft der Hardliner

Unklar ist nun, ob und wann es zu Neuwahlen kommt. Die gespaltenen Tories seien nicht in der Lage, das Land zu führen, sagte Labour-Chef Jeremy Corbyn am Freitag - und forderte Neuwahlen.

Für die Konservativen ist das beim letzten Mal ordentlich schiefgegangen. Seit ihrem Absturz bei den vorgezogenen Parlamentswahl im Juni 2017 führt May eine Minderheitsregierung. Unterstützt wird sie von der nordirischen DUP, doch das reicht oft nicht. So lehnte auch die DUP Mays Austrittsabkommen ab.

May hat dennoch fast drei Jahre durchgehalten - drei Jahre, in denen sie vor allem mit den Brexit-Hardlinern in ihrer Partei zu kämpfen hatte. So klang May, die ursprünglich für einen Verbleib in der EU gewesen war, bald wie eine von ihnen. "Brexit heißt Brexit", "Ich werde den Brexit durchziehen", "Kein Deal ist besser als ein schlechter Deal" - mit Phrasen wie diesen, endlos wiederholt, brachte May die Proeuropäer unter den Konservativen rasch gegen sich auf.

Die Sturheit, mit der sie an ihrem Brexit-Abkommen festhielt, entfremdete schließlich auch ihre engsten Vertrauten. In der Hoffnung, dass die Abgeordneten ihrem Deal angesichts eines drohenden No-Deal-Brexit schon noch zustimmen würden, spielte May auf Zeit - und vergeudete wertvolle Wochen und Monate. Gebracht hat es nichts: Zwei Mal musste May in Brüssel um eine Verschiebung des EU-Austritts bitten, um einen chaotischen Brexit ohne Abkommen im letzten Moment zu verhindern.

In den vergangenen Monaten ist der Druck auf die Premierministerin noch einmal gestiegen. Nach und nach verlor sie die Kontrolle, aus den Kabinettstreffen sickerten fast täglich Informationen an die Öffentlichkeit.

Gespalten wie nie zuvor

Angetreten ist May eigentlich, um Partei und Land wieder zu einen. 52 Prozent der Wähler hatten im Juli 2016 für den EU-Austritt gestimmt, der Brexit spaltet auch die Tories. Ihre Partei wieder zusammenzubringen oder gar ihr gespaltenes Land wieder zu einen, ist May nicht gelungen, im Gegenteil: Die Konservativen sind gespalten wie nie zuvor - und die Nation befindet sich in der schlimmsten Krise seit dem Zweiten Weltkrieg.

Ob Theresa May als schlechteste Premierministerin aller Zeiten in die Geschichtsbücher eingehen wird, wie ihre Kritiker behaupten, wird sich erst zeigen. In Erinnerung bleiben wird sie als jene Premierministerin, die vom Brexit besiegt wurde.