Deutsch-französischer Gleichklang kehrte diese Woche wieder ein. Gemeinsam rügten Kanzlerin Angela Merkel und Präsident Emmanuel Macron Russlands Staatschef Wladimir Putin. Dieser will Bürgern in der umkämpften Ostukraine einfacher die russische Staatsbürgerschaft ermöglichen.

An anderen Stellen treten die Differenzen zwischen den beiden wichtigsten EU-Ländern, von denen grundlegende Reformen ausgehen, inzwischen offen zutage. So forciert Frankreich einen schnellen Brexit, Deutschland bremst. Umgekehrt sträubt sich Frankreich gegen die Neuverhandlung eines Freihandelsabkommens der Union mit den USA.

Groß war die Aufregung in Paris, als Merkel in der vergangenen Woche gar von einer "konfliktgeladenen Beziehung" zu Macron sprach. Das Zitat sollte sich zwar als Übersetzungsfehler herausstellen. Es ändert aber nichts daran, dass beide Staatsleute völlig unterschiedliche Zugänge über die Zukunft der EU haben.

"Noch nie seit dem Zweiten Weltkrieg war Europa so wichtig", betonte Macron in einem Gastbeitrag in 28 großen europäischen Zeitungen. Bei der Europawahl würde über die Zukunft des Kontinents entschieden werden.

Frankreichs Präsident fordert eine vertiefte Zusammenarbeit in der Sozialpolitik mit einem europaweiten Mindestlohn, der an die länderspezifischen Verhältnisse angepasst ist. Und eine gemeinsame Finanz- und Wirtschaftspolitik, in der europäische Unternehmen bei öffentlichen Aufträgen und in bestimmten Sektoren gegenüber Konkurrenten aus den USA und China bevorzugt werden. Seine Vorschläge bezeichnet Macron als Teil einer "europäischen Renaissance".

Den Erhalt des Status quo hat man hingegen in Berlin im Sinne. Merkel zeigte Macron, wie wenig sie von seinen Ideen hält, indem sie diese von CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer kommentieren ließ - die kein Ministeramt, nicht einmal ein Bundestagsmandat innehat. In ihrer Replik erwähnte sie Macrons Idee eines eigenen Eurozonen-Haushalts nicht einmal.

Für eine weitere grundsätzliche Entscheidung haben Deutschland und Frankreich noch keine Lösung. Gleichzeitig könne nicht die EU-Erweiterung fortgeführt, die Integration vertieft und dabei ein einheitliches Integrationsniveau von Staaten mit so unterschiedlichen Grundvorstellungen anstrebt werden, konstatieren die Forscher der deutsch-französischen Reflexionsgruppe. Nur zwei der drei Ziele beim "unmöglichen Dreieck" seien erreichbar.