MARK RUTTE: In der Brüsseler Gerüchteküche werden dem rechtsliberalen Regierungschef der Niederlande sowohl Chancen auf den Kommissionschefsessel als auch auf die Nachfolge von EU-Ratspräsident Donald Tusk nachgesagt. Er selbst dementierte bisher. Klar ist aber, dass auch er kein Freund des Spitzenkandidaten-Prinzips ist. Wie Macron wirbt er dafür, dass die Staats- und Regierungschefs frei auswählen dürfen.

MICHEL BARNIER: Als EU-Chefunterhändler in Sachen Brexit machte der konservative Franzose eine ordentliche Figur. In den Hauptstädten gilt der frühere französische Außenminister und EU-Binnenmarktkommissar nicht nur deshalb als bestens vernetzt. Macron würdigte ihn neulich freundlich. Barniers Problem: Eigentlich hat seine Parteienfamilie EVP ja den Spitzenkandidaten Weber. Chancen hätte er vielleicht als Kompromisskandidat.

CHRISTINE LAGARDE: Die französische Chefin des Internationalen Währungsfonds kommt immer wieder ins Spiel, wenn es um die Besetzung europäischer Spitzenposten geht. Beim britischen Wettenanbieter Ladbrokes verzeichnete sie wenige Tage vor der Wahl hinter Weber, Barnier, Timmermans und Vestager die besten Quoten. Auch hier könnte Macron eine zentrale Rolle spielen: Lagarde ist immerhin Französin.

MAROS SEFCOVIC: Die Staaten der Visegrad-Gruppe (V4) (Tschechien, Slowakei, Polen, Ungarn) machen sich für den slowakischen Vizepräsidenten der EU-Kommission, Maros Sefcovic, stark. Der 52-jährige Sefcovic hatte sich im März 2019 als parteiloser Kandidat der Regierungspartei Smer für das Amt des slowakischen Staatspräsidenten beworben. In der Stichwahl unterlag er allerdings der Juristin Zuzana Caputova. Eventuell wären die V4 bereit, Barnier oder die Vizechefin der Weltbank, Kristalina Georgiewa, zu unterstützen, wenn im Gegenzug Sefcovic künftig zum EU-Außenbeauftragten würde, heißt es. (apa, dpa)