Brüssel. Zuerst geht es um den Nachfolger des Luxemburgers Jean-Claude Juncker als Präsidenten der Europäischen Kommission.

Einige Kandidaten haben selbst die Hand gehoben, darunter die Spitzenkandidaten der Europäischen Volkspartei (EVP), Manfred Weber, und der Sozialdemokraten, Frans Timmermans, sowie die liberale EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager. Über andere Namen wird immer wieder spekuliert. Ein Überblick:

MANFRED WEBER: Der CSU-Politiker aus Niederbayern ging 2004 aus dem bayerischen Landtag nach Brüssel, als seine Partei noch eher EU-skeptisch auftrat. Er versteht sich als Brückenbauer, Parteifreunde nennen ihn auch Drahtzieher. 2014 wurde Weber Fraktionschef der EVP und 2018 Spitzenkandidat für die Europawahl. Da die EVP am Sonntag trotz herber Verluste wieder stärkste Partei im Europaparlament wurde, sieht sich Weber als Favorit auf Junckers Posten. Er hat aber mächtige Gegner, darunter Frankreichs Präsidenten Emmanuel Macron, der die Auswahl nicht auf die Spitzenkandidaten der Parteien beschränken will. Dass Weber aus dem größten Mitgliedsland kommt, hilft nicht unbedingt. Seit den 1960er Jahren wurde kein Deutscher mehr Kommissionschef, auch wegen der Machtbalance in der EU.

FRANS TIMMERMANS: Der Niederländer präsentierte sich im Wahlkampf als Spitzenkandidat der Sozialdemokraten unter anderem im deutschen Fernsehen in Duellen mit Weber. In makellosem Deutsch stritt er für sozialen Ausgleich und mehr Klimaschutz in Europa. Sechs weitere Sprachen beherrscht der ehemalige niederländische Außenminister ebenfalls. Bisher ist er erster Vizepräsident der EU-Kommission und dort zuständig für Nachhaltigkeit und Rechtsstaatlichkeit. Er war das Aushängeschild des Strafverfahrens gegen Polen wegen des Umbaus der dortigen Justiz und etlicher Schritte gegen Ungarn wegen Verletzungen von EU-Standards. Das hat ihn im Kreis der EU-Staats-und Regierungschefs nicht unbedingt beliebt gemacht.

MARGRETHE VESTAGER: Die sozialliberale Dänin druckste im Wahlkampf lange herum. Sie war nicht Spitzenkandidatin der liberalen Parteienfamilie ALDE, sondern nur Mitglied im "Spitzenteam". Erst am Wahlabend am Sonntag sagte sie klar: Ja, sie wolle Kommissionschefin werden. Als EU-Wettbewerbskommissarin erwarb sie sich über Parteigrenzen hinweg Anerkennung. Die Mutter von drei Kindern gilt als klar, strukturiert und unerschrocken. Doch auch sie hat ein Problem: In ihrem Heimatland genießt sie vergleichsweise wenig Unterstützung, auch von Seiten der Regierung. Die ALDE ist im Parlament nur drittstärkste Fraktion. Und die übrigen Parteien nehmen den Liberalen übel, dass sie den Spitzenkandidaten-Prozess nicht mitmachten.