London. Ein Gericht in London hat am Mittwoch entschieden, dass sich Ex-Außenminister Boris Johnson wegen Aussagen vor dem Brexit-Referendum vor Gericht verantworten muss. Ein privater Kläger wirft dem konservativen Politiker vor, vor dem Referendum von 2016 wissentlich falsche Angaben über die Kosten der EU-Mitgliedschaft gemacht zu haben. Johnson hatte behauptet, Großbritannien zahle der EU pro Woche 350 Millionen Pfund (396,71 Mio. Euro). Der Tory-Politiker und ehemalige Bürgermeister von London war das Gesicht der Leave-Kampagne vor dem Referendum gewesen. Rund 52 Prozent der Wähler hatten im Juni 2016 für den EU-Austritt des Vereinigten Königreichs gestimmt.

 Johnson Favorit um die Nachfolge Mays

Johnson wird vorgeworfen, die Menschen bewusst in die Irre geführt zu haben. Die Behauptung, London zahle 350 Millionen Pfund pro Woche an Brüssel war ein zentraler Bestandteil der Botschaft "Take Back Control" und fand sich auch auf dem Bus der Leave-Kampagne, der monatelang durchs Land fuhr.

Kläger ist der Geschäftsmann Marcus Ball, der für seine Privatklage Geld per Crowdfunding gesammelt hatte. Seine Anwälte hatten in der vergangenen Woche Johnsons Vorladung beantragt, nun hat die zuständige Richterin ihre Entscheidung veröffentlicht.

Für Johnson kommt sie zur Unzeit. Der 54-Jährige hat sich um die Nachfolge der britischen Premierministerin Theresa May beworben, die am Freitag kommender Woche zurücktreten will. Der Brexit-Hardliner gilt als Favorit in diesem Rennen. (afp/reuters)