Frederiksen möchte in die Entwicklungszusammenarbeit investieren, um Migration einzudämmen. Und sie will mehr für die Integration der bereits Angekommenen ausgeben.

"Leider sind zu viele Menschen nach Dänemark gekommen, ohne ein Teil Dänemarks zu werden", meint Frederiksen. Ab den 1960ern kamen "Gastarbeiter" ins Land. Von 5,7 Millionen Einwohnern haben mittlerweile 770.000 Migrationshintergrund, die Mehrheit davon "nicht-westlichen". Die in Dänemark verwendete Umschreibung steht für Personen aus der Türkei, Syrien und dem Irak - allesamt keine Hochburgen einer liberalen Auslegung des Islams. Wie auch in anderen europäischen Staaten entwickelten sich Parallelgesellschaften.

Wohlfahrtstaat als demokratischer Nationalismus

Frederiksen kritisiert nicht den Islam direkt, stellt aber klar: "Religion ist der Demokratie immer untergeordnet." Auch für die neuen Dänen müsse die Gleichstellung der Geschlechter gelten.

Zum schwierigen Verhältnis mit "nicht-westlichen" Bürgern und Ländern gehören die Konsequenzen der "Mohammed-Karikaturen". Monate nach deren Veröffentlichung in der Zeitung "Jyllands-Posten" brach 2006 ein Proteststurm los, unter anderem wurde die dänische Botschaft in Syrien in Brand gesteckt. Ein Autor, der die Zeichnungen verteidigt hatte, überlebte 2013 einen Attentatsversuch. Zwei Jahre später sollte ein Karikaturist in Kopenhagen ermordet werden. Der Angriff schlug fehl, ein Mann kam jedoch ums Leben.

Zwar gibt es in Dänemark unzählige Erfolgsbiografien muslimischer Einwanderer. Bei vielen Migranten blieb der Aufstieg aber aus. Gerade in der egalitär organisierten Gesellschaft wird das zum Problem. Analog zum schwedischen "Volksheim" entwickelte die dänische Sozialdemokratie 1934 ihr Programm "Dänemark für das Volk". In beiden Fällen wurden Sozialrechte zu Bürgerrechten erhoben.

Dieses zivilgesellschaftliche Modell eines demokratischen Nationalismus aus der Zwischenkriegszeit - auch als Gegengewicht zum Aufstieg des Nationalsozialismus - luden Schwedendemokraten und DF ethnisch auf. "Die Dänische Volkspartei erklärte sich zu den wahren Sozialdemokraten und einzigen Bewahrern des Wohlfahrtstaates", sagt Susi Meret, assoziierte Professorin an der Universität Aalborg, zur "Wiener Zeitung". Mit ihrer strikten Migrationspolitik versuchen die Sozialdemokraten, diese Erzählung zurückzugewinnen.

Zweiter Baustein dieser Strategie ist, mehr für den Wohlfahrtsstaat auszugeben, den die Dänen im Ausgleich für die hohe Steuerlast hochhalten. Doch während Kopenhagen boomt, veröden ganze Landstriche. Die Gesundheitsversorgung an der Peripherie ist schlecht, in Kindergärten gibt es zu wenige Pädagogen. Die Rechtsliberalen entgegneten in der Vergangenheit stets, wenn man bei den Asylwerbern spart, bleibt mehr für das Sozialsystem übrig. Irgendwann stoßen aber auch die Sparmöglichkeiten im Asylsektor an Grenzen.